Trotz Insolvenz geht alles wie gewohnt weiter - keine Arbeitsplätze in Gefahr

Beratungszentrum Kafa: Täter ergaunerten 176.000 Euro

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Setzen auf einen Neustart: Kafa-Geschäftsführerin Alexandra von Aschoff und der Vorsitzende Helmut Schäfer.

Kassel. Er habe schon vieles erlebt, aber etwas Vergleichbares sei ihm noch nicht untergekommen, sagt Dr. Fritz Westhelle über das Insolvenzverfahren des Kasseler Familienberatungszentrums Kafa am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Wie die HNA berichtete, ist das Beratungszentrum von Online-Betrügern um 176.000 Euro gebracht worden.

Nachdem die Betrüger das Konto bei der Kasseler Sparkasse leer geräumt hatten, konnte der Verein die Juni-Gehälter an die über 50 Mitarbeiter nicht mehr zahlen. Den Schritt, das Insolvenzverfahren zu beantragen, sei dem Verein nicht leicht gefallen, sagt Helmut Schäfer, ehrenamtlicher Vorsitzender. Viele Menschen verbünden mit dem Begriff Insolvenz schließlich etwas Negatives. Es habe aber keine andere Möglichkeit gegeben.

Die Sparkasse habe die Rückstellung der 176.000 Euro auf das Vereinskonto wegen „grober Fahrlässigkeit“ verweigert. Ob ein Mitarbeiter des Vereins fahrlässig gehandelt habe beziehungsweise zur Rechenschaft gezogen werde, müsse noch geprüft werden. Zudem versuche man, das Geld von einer Vermögensschadensversicherung erstattet zu bekommen.

Keine Misswirtschaft

Westhelle geht davon aus, dass das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung (Hintergrund) spätestens zum 1. September eröffnet wird. Er ist zuversichtlich, dass das Verfahren noch in diesem Jahr abgeschlossen wird. „Den Verein Kasseler Familienberatungszentrum wird es spätestens ab November unverändert weiter geben - und zwar unbelastet.“ Westhelle macht deutlich, dass der Verein nicht durch Misswirtschaft in diese Schieflage gekommen sei, sondern durch kriminelle Machenschaften von hochprofessionellen Betrügern.

Der Betrieb läuft trotz Insolvenzantrags normal weiter: Die Geschäftsstelle des Beratungszentrums Kafa an der Straße Hinter der Komödie.

Die Hausbank der Kafa, die Kasseler Sparkasse, habe zunächst tatsächlich ein Update des Online-Banking-Verfahrens angekündigt. Doch statt der Mitarbeiter der Sparkasse meldeten sich dann die Internetbetrüger. Durch verschiedene Tests zur angeblichen Überprüfung des Updates hätten sich die Täter Daten erschlichen, mit denen sie dann das Konto leer räumten. Das Geld sei auf spanische und englische Konten überwiesen und dort sofort abgehoben beziehungsweise weitergeleitet worden. Schäfer legt in diesem Zusammenhang aber darauf Wert, dass kein Mitarbeiter den Betrügern wissentlich eine Transaktionsnummer (TAN) weitergegeben habe. Westhelle hofft, dass die Gläubiger (im Gläubigerausschuss sitzen die Sparkasse, die Bundesagentur für Arbeit und eine Betriebsratsvorsitzende) dem Insolvenzplan zustimmen werden.

Derweil laufe die Arbeit bei Kafa weiter wie bisher, macht Geschäftsführerin Alexandra von Aschoff deutlich. Man hoffe, dass die Angebote weiter genutzt würden. Nur Spenden machten derzeit keinen Sinn, weil sie in die Insolvenzmasse flössen. Auf zahlreiche Spenden für das Beratungszentrum hofft man allerdings beim Neustart, nach Abschluss des Insolvenzverfahrens, sagt Schäfer.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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