Schwere Vorwürfe gegen die JVA

Täter gesteht Tötung in Kasseler Gefängnis

Kassel. Der Prozess um die Tötung des Polen Janusc W. in der Justizvollzugsanstalt Kassel-Wehlheiden begann Montag vor dem Landgericht Kassel mit einem Geständnis.

Der Angeklagte Michail I. (38) gab in einer von seinen Anwälten verlesenen Erklärung zu, den 54-Jährigen im September 2012 getötet zu haben. Den „Befehl“ dazu hätten ihm innere Stimmen gegeben, die er ständig höre. Deswegen sei er auch seit langem in psychiatrischer Behandlung, ließ der in Moldawien geborene und in der Ukraine aufgewachsene Mann mitteilen. Anfangs hätte er noch gegen die Stimmen, die ihm sagten, er müsse töten, um die Kraft des Opfers zu bekommen, angekämpft. Doch dann habe er sich nicht mehr gegen die Stimmen wehren können und seinen Zellengenossen in der JVA Kassel I getötet. Der Häftling brach seinem Opfer unter anderem das Zungenbein und den Kehlkopf.

Wegen der Tötung ist auch die Justizvollzugsanstalt Kassel in die Diskussion geraten. Denn man musste offenbar wissen, dass Michail I. als geistig gestörter und gewaltbereiter Täter gilt. So sei er auch in Wehlheiden bei einem früheren Aufenthalt wegen psychischer Probleme behandelt worden, sagte Michail I.

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Schwere Vorwürfe gegen das Gefängnis und die hessiche Justiz erheben in diesem Zusammenhang die Hinterbliebenen des Opfers. Sein Sohn Jan - er ist Nebenkläger - sagte unter Tränen, sein Vater könne noch leben, wenn man im Gefängnis richtig gehandelt hätte und ihn nicht mit einem gefährlichen Mann in eine Zelle gesperrt hätte. Der Sohn sagte: „Ich habe eine riesige Wut auf das Gefängnis.“

Zudem habe man der Familie zunächst mitgeteilt, dass der Vater eines natürlichen Todes gestorben sei. „Als wir die Wahrheit erfuhren, waren wir geschockt.“ Nebenkläger- Anwalt Michael Euler hat Strafanzeige gegen JVA-Bedienstete erstattet. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. (tho)

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