3000 Euro für sachdienliche Hinweise

Polizei fahndet fieberhaft nach Feuerteufel: Auch Trittbrettfahrer am Werk

Kassel. Es begann in der Nacht zum Donnerstag, 14. April. In dieser Nacht wurden in der Nordstadt sieben Brände gelegt. Der oder die Täter gelangten durch unverschlossene Haustüren in die Flure und steckten dort Gegenstände wie Regale oder Kinderwagen an. Menschen wurden nicht verletzt.

Auch bei den über 20 weiteren Feuern, die seitdem vornehmlich in der Nord- und Innenstadt gelegt worden sind, kam niemand ernsthaft zu Schaden.

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Seitdem die Brandserie die Kasseler Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt, laufen die Ermittlungen bei der Polizei auf Hochtouren. Im Kommissariat 11 ist eine Arbeitsgruppe mit fünf Mitarbeitern gegründet worden, um den oder die Brandstifter zu überführen. Kriminaloberkommissar Horst Cäsa, Leiter der AG, spricht von 30 Bränden seit Mitte April. Der Ermittler geht allerdings davon aus, dass nur zwei Drittel zu der Brandserie gehören. Die restlichen zehn Feuer, es brannten auch Müllsäcke, können durch Fahrlässigkeit oder Trittbrettfahrer gelegt worden sein. Dass es auch Nachahmer gibt, davon geht die Kripo aus.

Die AG wird zudem von zahlreichen Schutzleuten und Kripobeamten unterstützt, die nachts verstärkt in der Nordstadt unterwegs sind. „Das ist ein riesiger Personaleinsatz“, sagt Cäsa. Die Kollegen sprächen jeden an, der sich auf der Straße aufhalte. 50 Personen wurden oder werden noch von der Kripo vernommen. „Wir haben nur eine Chance, wenn wir viele überprüfen. Rein theoretisch kommt ja jeder als Täter infrage. Das macht die Sache so schwierig.“

Eine heiße Spur gibt es aber noch nicht. Dennoch bleibt der Einsatz nicht ohne Wirkung. „Es gibt immer weniger Delikte in der Nordstadt“, sagt Cäsa. „Raubüberfälle und Schlägereien haben abgenommen, und die Trinkerszene in der Fichtnerstraße hat sich aufgelöst. Das zeigt, dass man mit Polizeipräsenz etwas erreicht.“ Nach jedem Feuer werden zudem „einschlägig Bekannte“ aufgesucht, die als Täter infrage kommen könnten. Deren Alibis werden überprüft.

Horst Cäsa

Zudem sei die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr sehr eng, sagt Cäsa. Die Frauen und Männer, die vor der Polizei am Tatort sind, achten darauf, ob ihnen verdächtige Personen beim Löschen zusehen.

An jedem Tatort sind Spuren und Brandschutt gesichert worden, die beim Landeskriminalamt untersucht werden. Auf DNA- und Fingerspuren. Auf die Ergebnisse warten die Ermittler noch. Bislang gebe es keine Hinweise, dass der Täter Brandbeschleuniger einsetze.

Cäsa weiß nicht, ob dem Täter die möglichen Auswirkungen seines Handelns bewusst sind und es bislang nur großes Glück war, dass kein Mensch ernsthaft verletzt worden ist. „Wir setzen auch darauf, dass der Täter Fehler macht.“ Der Kriminaloberkommissar hofft auch auf ein wenig Glück. So wie in Hofgeismar vor knapp zwei Jahren. Da war ein Brandstifter, der acht Feuer gelegt hatte, der Kripo mit einem Benzinkanister in die Arme gelaufen. Bevor er seinen neunten Brand legen konnte. Foto:  Pflüger-Scherb

Die Staatsanwaltschaft hat eine Belohnung von 3000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des Täters führen. Tel. 05 61/9100.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Rubriklistenbild: © Archivfoto:  Fischer/nh

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