Diebstahl und vorsätzliche Körperverletzung bei Flic Flac

Angeklagter nach Überfall auf Zirkusmanager in Kassel zu Bewährungsstrafe verurteilt

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Kam mit einer Bewährungsstrafe davon: Ein 32-jähriger Kasache (rechts) wurde zu eineinhalb Jahren verurteilt. Die Verhandlung wurde ihm von einem Dolmetscher übersetzt. 

Weil er über 8000 Euro beim Zirkus Flic Flac im Dezember 2018 auf dem Friedrichsplatz gestohlen und den Zirkusmanager verletzt hat, wurde am Dienstag ein 32-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe vor dem Amtsgericht Kassel verurteilt.

Dass das Opfer einer Straftat einem Täter vor Gericht offen verzeiht, ihm alles Gute wünscht und ihm die Hand reicht, kommt nicht alle Tage vor. So geschehen am Dienstag vor dem Kasseler Landgericht: Martin Krockauer, Manager des Zirkus Flic Flac, zeigte sich so versöhnlich gegenüber einem 32-jährigen Kasachen.

Als ein mit einer Kapuze maskierter Mann am Abend des 17. Dezember vor Krockauer stand und von seinem Schreibtisch zwei Umschläge mit Geld nahm, dachte der 57-Jährige zunächst an einen schlechten Scherz eines Artisten, erzählte er am Dienstag vor der fünften Strafkammer des Kasseler Landgerichts. Erst nachdem der Mann seinen Container auf dem Friedrichsplatz mit den Tageseinnahmen in Höhe von 8876,40 Euro verlassen hatte, sei ihm klar geworden, dass er Opfer einer Straftat geworden ist, sagte der Zirkusmanager.

Am Dienstag wurde der Täter, ein 32-jähriger Kasache, wegen Diebstahls mit einer Waffe in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Das entspricht dem Antrag seines Verteidigers Bernd Pfläging. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten wegen eines schweren räuberischen Diebstahls beantragt. Diesen Straftatbestand sah die fünfte Strafkammer aber als nicht erfüllt an.

Angeklagter geständig

Der Vorsitzende Richter Jürgen Stanoschek hielt dem Angeklagten, der sich im Dezember 2018 mit einem Touristenvisum in Kassel aufhielt, zugute, dass er sich geständig gezeigt habe.

Der 32-jährige Kasache sagte aus, dass er damals bei einem Bekannten am Mattenberg gewohnt habe. An dem Montagabend sei er mit einer Straßenbahn zum Rathaus gefahren. Schon unterwegs habe er dringend das Bedürfnis gehabt, auf Toilette zu gehen. Von der Haltestelle sei er Richtung Karlsplatz gegangen, um sich dort zu erleichtern. Da dort aber viele Menschen gewesen seien, habe er von dem Plan Abstand genommen. Stattdessen sei er über einen Karton mit Werkzeugen gestolpert. Daraus habe er sich ein Messer und einen Schraubendreher genommen. Deutsches Werkzeug könne man in Kasachstan teuer verkaufen.

Anschließend sei er zum Friedrichsplatz gegangen, wo der Zirkus Flic Flac gastierte. Im Zaun von Flic Flac sei ein Spalt offen gewesen. Dadurch sei er geschlüpft und habe schließlich auf dem Platz uriniert. Bei dieser Gelegenheit habe er durch ein Fenster des Containers geschaut. Dort sah er den Manager und die Briefumschläge mit Geld auf dem Schreibtisch. Gelegenheit macht Diebe.

Nachdem der Kasache die Umschläge gestohlen hatte, nahm Krockauer schließlich die Verfolgung auf, bei der er von dem 32-Jährigen mit einem Schlag in die Niere leicht verletzt wurde. Andere Besucher des Weihnachtsmarktes, die auch als Zeugen aussagten, liefen ebenfalls hinter dem Verdächtigen her, stellten ihn schließlich und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest.

Das Gericht hielt dem 32-Jährigen zugute, dass die Tat nicht länger geplant worden war. Allerdings habe er für die Ausführung viel kriminelle Energie aufgebracht, so Stanoschek. „Durch die erlittene U-Haft kommen Sie mit einem blauen Auge davon.“

Der 32-Jährige sitzt seit der Tat in Wehlheiden im Gefängnis. In das musste er am Dienstag nicht zurück, der Haftbefehl wurde aufgehoben. Um seine Rückreise nach Kasachstan, wo seine Familie lebt, muss er sich jetzt aber selbst kümmern.

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