Polizei sucht Täter

Enkeltrick: Täter scheiterte am Telefon

Kassel / Fuldatal. Drei Senioren aus Kassel und Fuldatal haben am Mittwoch einem Betrüger einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie fielen nicht auf den sogenannten Enkeltrick rein.

Nach Angaben von Polizeisprecher Michael Lange wollte sich der Trickbetrüger gegen 12 Uhr das Vertrauen einer 71-jährigen Frau aus Fuldatal erschleichen.

Er rief bei ihr an und gab sich als ihr Neffe aus, der sie besuchen wolle. In einem weiteren Anruf des angeblichen Neffen erklärte dieser, einen Verkehrsunfall verursacht zu haben und bat die Frau um ihre Hilfe. Er müsse unverzüglich einen nicht unerheblichen Geldbetrag an die Polizei bezahlen, damit ihm sein Führerschein nicht abgenommen werde.

Obwohl die Frau gerne helfen wollte, ließ sie sich nicht aufs Glatteis führen. Sie stimmte der finanziellen Unterstützung nur unter der Bedingung zu, dass das Geld in den Räumen und unter Aufsicht eines Mitarbeiters ihrer Kfz-Werkstatt übergeben werde. Auf den Mann, der sich als ihr Neffe ausgegeben hatte, wartete sie daraufhin vergeblich. Zwischenzeitlich konnte sie in Erfahrung bringen, dass ihr wirklicher Neffe sie nicht in Kassel besuchen wollte.

Ähnlich erging es gegen 16 Uhr einem 76-jährigen Mann aus Kassel. Auch in dem Fall versuchte eine unbekannte Person, sich für einen entfernten Verwandten auszugeben, der seinen Onkel besuchen wolle. Dieser wurde aber sofort misstrauisch und brachte schnell in Erfahrung, dass der einzig infrage kommende Neffe zu einer Prüfung nach Sachsen gefahren war. Mit dieser Tatsache konfrontiert beendete der Unbekannte sofort das Gespräch.

Mit der gleichen Masche sollte auch die Gutmütigkeit einer 77-jährigen Frau aus Bettenhausen ausgenutzt werden. Ein Mann gab sich als ihr Patenkind aus und bat um Geld nach einem Verkehrsunfall. Durch das besonnene Handeln der Rentnerin kam der Täter auch in diesem Fall nicht zum Erfolg. Bei den Vernehmungen stellte sich heraus, dass der Betrüger vermutlich Deutscher ist, da er ohne Akzent gesprochen hatte. Das Alter wurde auf etwa 30 bis 35 Jahre geschätzt.

Bei dem sogenannten Enkeltrick handelt es sich um eine Masche von Betrügern, die besonders in Großstädten die Gutmütigkeit älterer Menschen auszunutzen versuchen. Nach Angaben von Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Nordhessen im Jahr 2008 24 Fälle angezeigt (drei vollendete, 21 Versuche), 2009 waren es 32 Anzeigen (fünf vollendete Fälle, 27 Versuche), im vergangenen Jahr gab es 75 Anzeigen (neun vollendete Fälle, 66 Versuche). Ob die Zahl rückläufig ist oder zugenommen hat, darüber gibt es keine Auskunft.

Mark Kohlbecher, Sprecher von Hessens Innenminister Boris Rhein, verweist darauf, dass es dem Minister vorbehalten ist, die Zahlen der Kriminalstatistik vorzustellen. Die Öffentlichkeit wird demnach erst wieder im Frühjahr 2012 über die aktuelle Entwicklung informiert. (use)

Hinweise an die Polizei unter Tel. 05 61/9100.

Rubriklistenbild: © dpa

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