400 Menschen gedachten Halit Yozgat, der 2006 von Neonazis ermordet wurde

Gedenken an Halit Yozgat - „Von Neonazi-Terroristen feige erschossen“

Kassel. Die Holländische Straße musste am Freitagnachmittag kurzzeitig gesperrt werden. Der Bürgersteig vor der Hausnummer 82 reichte nicht für die 300 bis 400 Menschen aus, die zu der Gedenkveranstaltung für Halit Yozgat gekommen waren.

Der 21-jährige Kasseler türkischer Abstammung war vor sechs Jahren hier in seinem Internetcafé von „Neonazi-Terroristen feige und hinterhältig erschossen worden“. So drückte es Oberbürgermeister Bertram Hilgen wenige Minuten später vor dem Philipp-Scheidemann-Haus aus.

Kasseler Opfer von Neonazi-Mordserie: Gedenken an Halit Yozgat

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Ismail Yozgat, der Vater des Ermordeten, dankte Hilgen dafür, dass der Platz gegenüber, vor dem Hauptfriedhof, und die Haltestelle nach Halit benannt werden sollen. Dennoch hielt er an der Forderung seiner Familie fest, auch die Holländische Straße nach seinem Sohn umzubenennen. „Bis zu meinem Lebensende werde ich dafür kämpfen“, sagte Yozgat in die zahlreichen Fernsehkameras.

Aufklärung nur durch Zufall

Behörden, Medien und die Gesellschaft hätten dieser Neonazi-Mordserie lange Zeit leider nicht die erforderliche Bedeutung beigemessen und sie als „Dönermorde“ bezeichnet, sagte der türkische Generalkonsul Ilhan Saygili, der von Frankfurt nach Kassel gekommen war. Nur durch Zufall sei herausgekommen, dass die Morde von Neonazis begangen worden seien. „Dass Neonazis jahrelang unbemerkt morden konnten, hat die Bedenken bekräftigt, dass diese Terroristen von Personen mit offiziellem Charakter gedeckt wurden.“

Saygili sagte auch, dass der rassistische Terror nur die Absicht habe, zwischen den in Deutschland lebenden Menschen Hass zu säen. „Die Schüsse auf Halit Yozgat und die anderen Opfer waren eigentlich gegen die türkisch-deutsche Freundschaft gerichtet.“ Dieses Ziel dürften die Neonazis nicht erreichen. Diese Morde dürften sich auf die „Beziehungen unserer Landsleute sowohl zu ihren deutschen Nachbarn als auch zu den deutschen Behörden keineswegs negativ auswirken“, sagte der Generalkonsul. „Ganz im Gegenteil, es bedarf jetzt umso mehr der Solidarität, des gegenseitigen Verständnisses und Dialogs.“

Ismail Yozgat drückte die Hoffnung aus, dass die Menschen auch in den kommenden Jahren am 6. April zu der Gedenkveranstaltung für seinen Sohn kommen, ab 2013 dann auf den Halit-Platz.

Trotz des traurigen Anlasses kam gestern auch die türkische Gastfreundschaft nicht zu kurz. Ayse Yozgat, Halits Mutter, hatte zwei Tage lang Baklava, eine türkische Süßspeise, gebacken. Ismail Yozgat lud alle Anwesenden zum Probieren ein. „Sagen Sie nur: Danke, Halit.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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