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Tag des Schlaganfalls: Kasseler Klinikum berät andere Krankenhäuser per Video

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Von: Anna Weyh

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Bei einem Schlaganfall ist es wichtig, den Patienten schnell zu behandeln.
Bei einem Schlaganfall ist es wichtig, den Patienten schnell zu behandeln. © Jansen/dpa

17 Kliniken in der Region haben das Zentrum „Neuro Netz Mitte“ gebildet. Dadurch soll sichergestellt werden, dass alle Schlaganfall-Patienten die optimale Behandlung bekommen.

Kassel – In jedem Jahr erleiden etwa 270 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. So bezeichnen Experten einen plötzlichen Verschluss oder das Platzen eines Blutgefäßes im Gehirn. Besonders wichtig ist dabei, dass möglichst schnell eine gezielte Behandlung erfolgt. Im Klinikum Kassel gibt es dafür Hessens größte Stroke-Unit (Deutsch: Schlaganfall-Einheit), eine Spezialstation mit 14 Betten, auf der Schlaganfall-Patienten von einem spezialisierten Team aus Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern, aber auch durch Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten betreut werden.

Die Symptome eines Schlaganfalls treten plötzlich auf. Zu den häufigsten Symptomen gehören Sprachstörungen, Lähmungen, Gefühlsstörungen oder auch Schwindel mit Koordinationsstörungen. „Mit dem sogenannten Fast-Test lässt sich in kurzer Zeit der Verdacht auf einen Schlaganfall einfach prüfen“, sagt Dr. Christian Roth, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Kassel. „Fast“ steht dabei für die englische Abkürzung Face (Deutsch: Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit). Wie der Test genau funktioniert, lesen Sie im Info-Kasten.

So erkennen Sie einen Schlaganfall

Mit dem Fast-Test lässt sich schnell der Verdacht auf einen Schlaganfall überprüfen. So funktioniert‘s:

Face (Deutsch: Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.

Arms (Deutsch: Arme): Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken. Bei einer Lähmung sinkt ein Arm oder dreht sich.

Speech (Deutsch: Sprache): Lassen Sie die Person einen Satz nachsprechen. Klingt die Stimme verwaschen, liegt wohl eine Sprachstörung vor.

Time (Deutsch: Zeit): Zögern Sie nicht, wählen Sie unverzüglich die 112 und schildern Sie die Symptome.

Der Schlaganfall ist die Erkrankung, die am häufigsten zu bleibenden Behinderungen führt. Wird er jedoch frühzeitig erkannt und behandelt, können neurologische Langzeitfolgen geringgehalten oder sogar ganz vermieden werden. Da es jedoch nicht in jeder Stadt, beziehungsweise in jedem Krankenhaus eine neurologische Abteilung gibt, hat sich für Nordhessen und Umgebung das Zentrum „Neuro Netz Mitte“ gebildet. „Durch dieses Netzwerk verbinden wir Krankenhäuser mit unserem Schlaganfall-Zentrum. So soll sichergestellt werden, dass alle Patienten mit gefäßbedingten Erkrankungen des Nervensystems in der Region die optimale Behandlung bekommen“, sagt Roth.

Das Klinikum Kassel koordiniert 16 Krankenhäuser in Nordhessen, Ostwestfalen und Nordwest-Thüringen. Ein Team von neurologischen Fachärztinnen und Fachärzten steht rund um die Uhr zur Verfügung, um die Kliniken in der Diagnose und Therapie von akuten Schlaganfällen zu unterstützen. „Per Video-Beratung streuen wir unsere Expertise in die Breite“, so Roth. Ziel ist es, Patienten zu identifizieren, die von einer Lysetherapie (medikamentöse Therapie zum Auflösen von Blutgerinnseln) oder einer Thrombektomie (Entfernung eines Blutgerinnsels aus einem Blutgefäß mithilfe eines Katheters) profitieren können, sagt der Chefarzt.

Dr. Christian Roth Chefarzt Klinik der Neurologie
Dr. Christian Roth Chefarzt Klinik der Neurologie © Weyh, Anna-Laura

Die Thrombektomie wird in der Region nur im Klinikum Kassel angeboten. Patienten, die diese Therapie benötigen, werden aus den umliegenden Krankenhäusern dorthin gebracht. Dabei ist Zeit der wichtigste Faktor. Nur wenn Symptome innerhalb weniger Stunden erkannt werden, kann eine solche Behandlung durchgeführt werden. Nicht selten komme es jedoch auch vor, dass die Verlegung genau andersherum passiere – dass also Patienten vom Kasseler Klinikum in ein umliegendes Krankenhaus verlegt werden. „Auch unsere Kapazitäten sind begrenzt. Wir sind Zentrum für schwere Schlaganfall-Patienten“, sagt Roth. Leichtere Fälle werden deshalb in die Partner-Kliniken verlegt, wenn die freien Betten knapp werden.

Zum Tag des Schlaganfalls, 29. Oktober, findet im Klinikum Kassel, Mönchebergstraße 41-43, im Gebäude C, Ebene 6, im Reha-Hörsaal ein Patienteninformationstag statt. Ärzte, die pflegerische Stationsleitung und die Leiterin der Ergotherapie informieren ab 12 Uhr über die Herz-Kreislauf-Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten im Klinikum Kassel. Besucher der Veranstaltung benötigen einen tagesaktuellen, negativen Antigen-Schnelltest. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

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