Fleischer verzichten darauf, Demonstration anzumelden

Tag der Erde: Pläne für Bratwurst-Widerstand sind abgeflaut

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Sie müssen draußen bleiben: Über Für und Wider des erstmaligen Wurstverbots beim Tag der Erde 2017 wird leidenschaftlich gestritten.

Kassel. Die Kontroverse um den Ausschluss von fleischhaltigen Imbissen beim Tag der Erde scheint sich etwas gelegt zu haben: Bislang ist nichts aus verschiedenen Ankündigungen geworden, am Rande der Festmeile in Wolfsanger Bratwurst anzubieten.

Solche Pläne, die erstmals rein vegetarische Ausrichtung der Veranstaltung zu unterlaufen, hatte etwa die CDU im Stadtteil gehegt. Bisher aber gebe es „nichts, was man schon mitteilen könnte“, sagte Vorsitzender Stefan Kortmann auf Anfrage der HNA.

Die Fleischer-Innung Kassel wird laut Obermeister Dirk Nutschan ihre Idee nicht weiterverfolgen, sich am Rand der Festmeile mit ihren Produkten präsent zu machen. Nutschan hatte für sich und mehrere Innungskollegen bei der Stadt eine temporäre gaststättenrechtliche Genehmigung beantragt, auf einem Privatgelände nahe dem Kiosk Reuter an der Wolfsangerstraße Grillwurst und Spießbraten verkaufen zu dürfen.

Das hat das Ordnungsamt abgelehnt. Begründung: So eine Genehmigung sei nur aus besonderem Anlass möglich, und dieser sei nicht gegeben, wenn ein Stand nicht zu den offiziellen Teilnehmern am Tag der Erde gehöre.

In dem Ablehnungsbescheid wird den Fleischern aber eine Brücke gebaut: Sie hätten die Möglichkeit, eine Demonstration anzumelden. „Dies wäre ein Weg, um die Öffentlichkeit über die Haltung und die Interessen der Fleischer-Innung zu informieren“, heißt es in dem Schreiben.

Allerdings, so führt das Ordnungsamt weiter aus, müssten dabei Informationen im Vorder- und gewerbliche Aspekte im Hintergrund stehen. Konkret heiße das: Die Fleischer müssten ihre Speisen und Getränke entweder kostenlos abgeben oder höchstens zum Selbstkostenpreis, der dann dem Ordnungsamt auch nachgewiesen werden müsse.

Außerdem könne es notwendig werden, dass „aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ ein Mindestabstand zwischen einer solchen Demo und der Veranstaltungsfläche vom Tag der Erde vorgegeben werden.

Der Fleischer-Innung sei es unter diesen Bedingungen zu unwägbar, parallel zum Tag der Erde in Wolfsanger Flagge zu zeigen, sagte Obermeister Nutschan: „Wir werden da nichts mehr machen.“

Stummer Protest beim "Frühlingserwachen"

Ein Forum des stummen Protests in Sachen Wurstverbot werden die Fleischer allerdings beim „Frühlingserwachen“ in der Innenstadt am kommenden Wochenende erhalten. In der oberen Wilhelmsstraße, gegenüber vom Fachgeschäft Heini Weber, sei kurzfristig ein Standplatz frei geworden, sagte Lothar Röse vom Kaufleute-Verein Quartier Wilhelmsstraße, der das Innenstadtfest mitgestaltet.

Den freien Platz habe man an die Landfleischerei Koch aus Calden vermittelt, die dort nun Bratwurst anbieten wolle – direkt vor dem Sitz des Vereins Umwelthaus Kassel, der den Tag der Erde organisiert.

Röse betonte, damit wolle der Kaufleute-Verein aber nicht Partei ergreifen in Sachen Bratwurststreit und Veggie-Debatte: „Wir fanden das einfach lustig“, sagte er.

Gegen das Bratwurstverbot beim Tag der Erde hat der Fuldataler Hartmut Schaumburg auf dem Beteiligungsportal OpenPetition eine Online-Petition gestartet, auf dem bis zum Dienstagnachmittag 2445 Menschen unterschrieben haben. Noch drei Wochen lang ist die Stimmensammlung hier aktiv.

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