Ein Blick in die Einkaufswagen

Tag der gesunden Ernährung: So kaufen die Kasseler ein

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Gab am Tag der gesunden Ernährung am Rewe-Center im dez Tipps für den gesunden Einkauf: (von links) Die Kasseler Ernährungsberaterin Anja Later mit dem Ehepaar Renate und Hans-Joachim Brunner.

Kassel. Wie gesund kaufen wir ein? Diese Frage haben wir uns an diesem Mittwoch, am Tag der gesunden Ernährung gestellt, und haben die Einkaufswagen der Kasseler genauer unter die Lupe genommen.

Ist die Tiefkühlpizza okay, wenn daneben frisches Gemüse liegt? Wie kann ich mich bewusster ernähren, ohne auf kleine Sünden verzichten zu müssen? Am Tag der gesunden Ernährung haben wir am Mittwoch mit der Kasseler Ernährungsberaterin Anja Later am Rewe-Center im Kasseler Einkaufszentrum "dez" einen Einkaufswagen-Check gemacht und am Ende Schulnoten für die „Gesundheit“ jedes Einkaufs vergeben.

Ernährungsexpertin Anja Later, HNA-Redakteur Maik Dessauer und Kunde Herbert Ringlebe beim Einkaufscheck

DER MITTELPRÄCHTIGE EINKAUF

Unser erster Kandidat für den Einkaufswagen-Check ist Herbert Ringlebe (83). In seinem Einkaufswagen sind:

  • eine Tiefkühlpizza 
  • abgepacktes Roggenbrot
  • Toastbrot
  •  zwei Becher Fruchtjoghurt 
  • Saure Sahne
  • Salat von der Theke
  • abgepackter Heringssalat 
  • abgepackter Kartoffelsalat

Das sagt die Expertin: Statt des Fertigjoghurts empfiehlt Later Naturjoghurt mit frischem Obst. Ringlebe, der sich selbst als „mittelprächtiger Koch“ bezeichnet, könne halb fertige Produkte generell mit frischem Gemüse kombinieren. Es sei lobenswert, dass er in seinem Alter noch selbst koche, trotzdem sei der Einkauf optimierungsfähig, sagt Later.

Note: 3

DER ABWECHSLUNGSREICHE EINKAUF

Abwechslungsreich wird es bei Margrit Schlesiger (74): 

  • zwei Tüten Chips
  • sechs Paprikaschoten
  • Schmand
  • Feldsalat
  • Hüttenkäse
  • griech. Joghurt mit Honig
  • Cashewkerne
  • Studentenfutter
  • Saure Sahne
  • Schweineschnitzel und Gehacktes von der Frischetheke
  • abgepackter Goudakäse
Das sagt die Expertin: „Sie hat sich bemüht, frisch einzukaufen – viel Gemüse und Milchprodukte.“ Den griechischen Joghurt mit Honig würde Later aber durch griechischen Naturjoghurt ersetzen. Und auch die Chips seien natürlich nicht gesund. Aber dafür habe sie auch Cashewkerne und Studentenfutter gekauft.

Note: 2

DER SAISONALE EINKAUF

In Hans-Joachim (80) und Renate (75) Brunners Einkaufswagen haben wir entdeckt:

  • einen Sack Zwiebeln
  • abgepackte Hähnchenschenkel
  • Weichkäse, Harzer Käse, Mozzarella
  • zweierlei Leberwurst
  • Aufbackbrötchen
  • Kräuterbutterbaguette
  • Ingwer
  • Schmand
  • Rotkohl (Konserve)
  • Sauerkraut (Konserve)
  • versch. Schokopralinen
  • Gummibärchen
  • eine Fl. Sekt (halbtrocken)
  • Bayerisches Kellerbier

Das sagt die Expertin: Positiv sei trotz Konserven der saisonale Speiseplan mit Sauerkraut und Rotkohl. Ein Minus gibt es für die Wurstwaren mit hohem Fettanteil. Um Muskelabbau zu verhindern, sollten gerade Senioren ihren Eiweißbedarf decken und sich eher fettarm ernähren, sagt Later. Die Schokolade sei okay. Schließlich nahe Ostern und man dürfe sich auch mal was gönnen. Note: 3

DER EXPERIMENTIERFREUDIGE EINKAUF

Interessant wird es bei Herbert Classen (69):

  • Algensalat von der Theke
  • Bananen
  • Trauben
  • frisches Emmer-Dinkel-Brot
  • italienischer Schinken
  • drei Packungen Kaffee
  • gekochte Ostereier
  • Schwarzwurzeln im Glas
  • abgepackte Brötchen
  • zwei Sechserträger Wasser

Das sagt die Expertin: „Der Einkauf ist sehr experimentierfreudig – vor allem der Algensalat.“ Dieser sei sehr reich an Jod. Insgesamt könne es aber mehr frisches Gemüse sein. Note: 2

DER AUßERGEWÖHNLICHE EINKAUF

Bei Teresita (61) und Walter Müller (64) kommt etwas ganz besonderes auf den Tisch:

  • Ochsenschwanz, Jungbullen-Querripee und Kalbschnitzel von der Fleischtheke
  • Suppengrün
  • Sauerkraut
  • ein Sack Kartoffeln
  • Kohlrabi
  • Rapsöl
  • Sesamknäckebrot
  • abgepackte Bagels
  • Chiasamenbrot
  • zwei Mangos
  • eine 5-Minuten-Terrine
Das sagt die Expertin: Viel Fleisch von der Theke und keine Standardsachen – das zeuge von hoher Kochkompetenz. Außerdem habe Rapsöl – genau wie Lein- und Walnussöl – ein besonders günstiges Fettsäuremuster. Zwar könnte es auch hier mehr Gemüse sein und die Bagel und die 5-Minuten-Terrine würden das eigentlich gute Gesamtbild etwas trüben, aber insgesamt sei dies ein gesunder und bewusster Einkauf.

Note: 1–

DAS FAZIT

Mit Bio scheint die Ü-60-Generation nicht viel am Hut zu haben. Nur ein Becher Bio-Schmand in sieben Einkaufswagen. Later denkt, dass Produktionsbedingungen und Anbauverfahren bei älteren Menschen eine untergeordnete Rolle spielen. Diese Generation könne zwar in der Regel gut kochen, „aber dafür hätte ich noch mehr frische Produkte erwartet“, sagt Later. 

Insgesamt gab es viele abgepackte Lebensmittel und Konserven, frisches Gemüse und Käse von der Theke würden zu wenig gekauft. Positiv sei die Experimentierfreude und dass kaum jemand Süßgetränke mit viel Zucker gekauft habe.

Anja Later

Ernährungsberaterin Anja Later

Anja Later (50) ist Diplom-Ökotrophologin und hat in Fulda Haushalts- und Ernährungswirtschaft studiert. Seit 1993 ist sie freiberuflich tätig. Ihre Beratungsstelle ist in der Pestalozzistraße 4. Later ist von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zertifizierte Ernährungsberaterin. Daneben hat sie ein Zertifikat als Ernährungsfachkraft für Allergologie des Deutschen Allergie- und Asthmabundes. 

Außerdem hat sie an einer einjährigen Fortbildungsreihe im Frankfurter Zentrum für Essstörungen teilgenommen. Later lebt im Vorderen Westen, ist verheiratet und hat drei Kinder. In ihrer Freizeit geht die Kasselanerin gerne schwimmen, fährt Rad und macht Nordic Walking im Bergpark.

Video: Gesunde Ernährung

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