Tag der offenen Synagoge

Jüdische Gemeinde Kassel: „Wir wollen uns nicht verstecken“

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Stellte die moderne Kasseler Synagoge vor: Vorstandsmitglied Esther Haß (vorn vor dem Thora-Schrank) am Sonntagmorgen im Gespräch mit Besuchern.

Trotz des versuchten Anschlags in Halle und zunehmender antisemitischer Vorfälle hat die Jüdische Gemeinde Kassel am Sonntag zum Tag der offenen Synagoge eingeladen.

Viele Kasseler wissen gar nicht, dass es in ihrer Stadt eine Synagoge gibt. Und viele Menschen dieser Stadt wüssten auch nicht, dass es in Kassel eine Jüdische Gemeinde mit fast 900 Mitgliedern gebe. Immerhin sei diese nach Wiesbaden die zweitgrößte Gemeinde im hessischen Landesverband, betont die Vorsitzende Ilana Katz.

Um auf sich aufmerksam zu machen, hat die Jüdische Gemeinde am Sonntag in ihre Synagoge an der Bremer Straße eingeladen. Ja, man habe nach dem versuchten Anschlag eines Rechtsextremisten auf die Synagoge in Halle, bei der an Jom Kippur (9. Oktober) zwei Passanten getötet wurden, darüber diskutiert, ob man die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen nicht absagen solle. 

Aber man habe sich – nach Absprache mit Polizei und anderen Kirchengemeinden – dafür entschieden, den seit Frühjahr geplanten Tag der offenen Tür trotzdem stattfinden zu lassen. „Wir wollen uns nicht verstecken“, meint die Gemeindevorsitzende Katz.

Führungen am Tag der offenen Synagoge in Kassel

Vor fünf Jahren, beim letzten Tag der offenen Synagoge, waren fast 1000 Besucher gekommen. Auch an diesem Sonntag haben sich schon am Morgen viele Interessierte eingefunden. Esther Haß und weitere Gemeindemitglieder führten die Besucher durch die im Jahr 2000 eröffnete Synagoge, stellten ihnen unter anderem den modernen Thora-Schrank und die hinter dem blauen Vorhang verborgenen Thora-Rollen vor.

Wie auch bei Gottesdiensten, steht auch an diesem Morgen vor dem Haus eine Polizeistreife. Angesichts der Sorge wegen zunehmender antisemitischer Vorfälle diene für sie dieser Tag der Synagoge auch dazu, einen „Gegenpol“ zu setzen, unterstreicht Vorstandsmitglied Esther Haß. „Wir wollen zeigen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen.“ 

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