Mammatuswolken entstehen durch abfallende Kaltluft

Brüste am Himmel: Kasseler Schauerwolke schaffte es in die "Tagesthemen"

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Sven Plöger erklärt in den "Tagesthemen" die Wolke über Kassel.

Über Kassel war am Montag ein seltenes Naturspektakel zu sehen. Eine riesige Schauerwolke schaffte es bis in die "Tagesthemen". Was es damit auf sich hatte.

Am Montagabend bekamen es einige Kasseler vor lauter Schönheit mit der Angst zu tun, als sie nach oben schauten. Sie sahen zunächst einen blauen Himmel, was in diesem Winter ein so seltenes Naturspektakel ist, dass die ARD deswegen eigentlich einen "Brennpunkt" ins Programm nehmen könnte. Und dann erblickten sie eine riesige Schauerwolke, die sich mit beutelartigen Wölbungen vor den Sonnenuntergang schob.

Zahlreiche Leser schickten uns beeindruckende Bilder. Es schien, als wollte sich die Natur am Rosenmontag auch ein bisschen verkleiden. Was es genau mit dem Spektakel am Himmel zu tun hatte, erfuhr man am späten Abend am Ende der "Tagesthemen" im Ersten. Dort erklärte ARD-Meteorologe Sven Plöger anhand eines Fotos aus Kassel das Phänomen Mammatuswolken.

Spektakulär schön: Schauerwolke über dem Kasseler Friedrichsplatz.

Hier geht es zu den "Tagesthemen". Sven Plöger ist ab Minute 36 zu sehen.

Plöger breitet die Arme stets wie ein Priester aus, also sagte er passenderweise nicht "Mammatuswolken", sondern den lateinischen Begriff "Cumulus Mammatus". Vereinfacht gesagt entstehen sie nach Schauern, wenn Kaltluft runtersackt und kondensiert. Unter der Wolke bilden sich dann kleinere Beutel, die wie eine weibliche Brust aussehen (darum das lateinische "Mamma" für "Brust"). Durch die schwerere Kaltluft wird die Wolke quasi ausgebeult.

Das Ganze sieht dann aus wie eine am Computer hergestellte Montage für einen Weltuntergangsfilm von Roland Emmerich („The Day After Tomorrow“). Es verwundert daher nicht, dass manche immer noch glauben, dass Mammatuswolken zu Tornados führen. Dem ist jedoch nicht so.

Aber auch so haben das Wolken-Kunstwerk über Kassel fast zwei Millionen TV-Zuschauer gesehen. Ausnahmsweise war Nordhessen einmal nicht wegen der documenta und ihrer Finanzen bundesweit Gesprächsthema, sondern wegen hollywoodreifer Schönheit.

Die „Tagesthemen“ vergaßen nur, den passenden Soundtrack zur Kasseler Wolke einzuspielen. Im Hit „Lila Wolken“ von Rapper Marteria heißt es: „Guck in diesen Himmel, wie aus Hollywood. Rot knallt in das Blau, vergoldet deine Stadt, und über uns ziehen lila Wolken in die Nacht.“

Leser Peter Siemon aus Hofgeismar war von der Wolke ebenfalls beeindruckt.
Unsere Leserin Gabriele Hennig fotografierte die Wolke in Fuldatal.

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