Teilnehmer halten Homosexualität für Heilbar

Christen-Tagung eskaliert: Anfeindungen wegen umstrittener Referenten

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Das Tagungsgebäude an der Leuschnerstraße, auf das in der Nacht zu Donnerstag Farbbeutel geworfen wurden. Es gehört dem evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband.

Kassel. Ein kleiner Kongress für Seelsorger sorgt für Furore: Grund dafür ist, dass bei der am Donnerstag in Kassel gestarteten Tagung des evangelischen Verbandes Weißes Kreuz zwei umstrittene Referenten sprechen, die Homosexualität für therapierbar halten.

Darunter Sozialarbeiter Markus Hoffmann und die Ärztin Dr. Christl Vonholdt. Deren Einladung sorgte nicht nur für Kritik von den Kasseler Stadtverordneten und der Diakonie Hessen, sondern auch für einen Farbbeutelanschlag am Tagungsort an der Leuschnerstraße.

Bei der gestrigen Pressekonferenz des Weißen Kreuzes war die Anspannung der Verantwortlichen zu spüren. Damit nicht weitere Farbbeutel fliegen, sind Aufpasser auf dem Gelände an der Leuschnerstraße unterwegs. Der Verband aus Ahnatal hat sich für die Tagung „Sexualethik und Seelsorge“ bis Samstag in den Räumen der Evangelischen Gemeinschaft eingemietet.

„Wir sind überrascht von den Reaktionen“, sagt Nikolaus Franke, Jugendreferent des Weißen Kreuzes. Als Kongressveranstalter übernehme man nicht alle Positionen der Referenten. Es sei im Vorstand darüber diskutiert worden, ob die in der Kritik stehenden Referenten eingeladen werden. Aber jetzt zeige sich, dass dies die am besten gebuchtesten Seminare seien. Insgesamt werden 200 Kongress-Teilnehmer erwartet.

Sie stehen in der Kritik: Der Vorsitzende des Weißen Kreuzes Wilfried Veeser, dessen Leiter Rolf Trauernicht und der Jugendreferent Nikolaus Franke (von links.)

Wilfried Veeser, Vorsitzender des Weißen Kreuzes, versuchte Verständnis für die Auswahl der Referenten zu wecken. In den 30 Seminaren würden „unterschiedliche Ansätze“ präsentiert. Er stellte klar: „Homosexualität ist keine Erkrankung.“ Aber man müsse akzeptieren, dass es

Menschen gebe, die ihren homosexuellen Neigungen nicht mehr nachgehen wollten. Auch deren Weg müsse respektiert werden.

Rolf Trauernicht, Leiter des Weißen Kreuzes, sprach von den zwei Rednern positiv: „Ich habe gute Erfahrungen mit ihnen gemacht. Das sind zwei, die was zu sagen haben.“

Trauernicht stand selbst schon in der Kritik. Vor einigen Jahren hatte er eine Schrift mit dem Titel „Die Homosexualität verstehen lernen“ verfasst. Darin bezeichnet er Homosexualität als Sünde. Die Ursachen seien in „seelischen Verwundungen“ und dem Körperbau zu suchen. Er spricht in dem Text von einer „unmännlichen Gestalt“. Von seinen früheren Thesen distanzierte sich Trauernicht gestern: „Das tut mir leid. Das würde ich heute anders machen. Ich würde manches sensibler formulieren.“

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Die Organisatoren fühlen ihre Veranstaltung missverstanden. Bei ihrem Kongress gehe es nicht um Homosexualität. Auch Hoffmann und Vonholdt sprächen in Kassel nicht explizit über das Thema. Auf die Frage, ob das Weiße Kreuz nach der Kritik noch einmal die Referenten einladen würde, sagte der Vorsitzende Veeser: „Sollten sie sich diskriminierend äußern, wäre das ein Grund, sie nicht mehr einzuladen.“ (bal)

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