Kosten für Heizöl wieder auf Vorjahresniveau – Branche: Weiterer Rückgang fraglich

Preise für Heizöl auf tiefstem Stand seit Monaten

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Spekulation im Heizungskeller: Nach Angaben der Mineralölwirtschaft lassen die meisten Kunden ihre Öltanks nur teilweise füllen, da sie auf sinkende Preise hoffen.

Kassel. Die Preise für Heizöl haben den tiefsten Stand seit vier Monaten erreicht. Im Raum Kassel lag der Literpreis Donnerstag bei 83 bis 84 Cent, wenn man 3000 Liter abnimmt.

Damit gibt es keinen Preisunterschied mehr zum Vorjahr. Wer als Hausbesitzer zum Jahresbeginn Heizöl getankt hatte, musste noch etwa 13 Cent pro Liter mehr ausgeben als im Januar 2011.

Nach Angaben der Mineralölwirtschaft ist unsicher, wie lange der Trend zu sinkenden Preisen noch anhält. „Im Augenblick ist die Situation nicht überschaubar“, sagt Dr. Jörg Lenk (Fuldatal), Geschäftsführer des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH).

Für Hauseigentümer sei der Zeitpunkt günstig, den Brennstoffvorrat aufzufüllen: „Wer jetzt nachtankt oder nachtanken muss, hat einen klaren Preisvorteil gegenüber den Vormonaten“, sagt Lenk

Im Moment werde der Ölpreis durch einen Angebotsüberhang auf dem Weltmarkt gedrückt. Die politisch instabile Lage im Nahen Osten sowie die Euro-Schuldenkrise – Rohöl wird in Dollar gehandelt, Heizöl für Euro verkauft – seien nur zwei von vielen Einflussfaktoren, deren Auswirkung niemand klar prognostizieren könne.

Lenk nannte es verständlich, wenn viele Ölkunden auf ein weiteres Sinken der Preise hoffen und mit dem Nachtanken noch warten würden. Dabei könne man sich aber auch verspekulieren: Wer bis zum Herbst warte und den Tank leer laufen lasse, müsse saisonbedingt mit längeren Lieferzeiten rechnen. „Ebenso können die Preise bis dahin auch wieder steigen“, sagt der Verbandsgeschäftsführer. Wer nicht kurzfristig tanken wolle oder müsse, sei gut beraten, sich fortlaufend über die Heizölpreise zu informieren.

Nach Angaben von Uwe Cassens, Geschäftsführer des für Südniedersachsen zuständigen Schwesterverbandes Nord, nimmt die Neigung zum Preispoker bei den Heizölkunden zu. „Wegen der Unsicherheit werden seit mehreren Jahren fast nur noch Teilmengen geordert.“ Es wird also Luft im Tank gelassen mit dem Kalkül, die freie Kapazität günstiger auffüllen zu können als zum jeweils aktuellen Literpreis.

Und viele warten fast bis auf den letzten Drücker, bevor sie den Tankwagen bestellen. Laut Cassens ist dann der Tank des durchschnittlichen Kunden zwischen 7 und 20 Prozent gefüllt. Falls der Nachschub etwa wegen logistischer Engpässe im Herbst mehrere Wochen auf sich warten lasse, liefen Preis-Spekulanten Gefahr, im Kalten zu sitzen.

Wer effektvoll sparen wolle, sollte lieber seinen Heizkessel kritisch unter die Lupe nehmen, rät Cassens: „Etwa zwei Drittel aller Anlagen sind nicht auf dem aktuellen Effizienzstandard.“

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