Harleshäuserin erlebt mit 91 Jahren ihren ersten Flug mit ihrem Neffen als Pilot

Tante Erna geht in die Luft

Mit 91 zum ersten Mal im Flugzeug: Erna Schmidt aus Harleshausen hat von ihrem Neffen Manfred Gottschalk zum Geburtstag einen Rundflug über Kassel bekommen. Foto: Herzog

Kassel / Calden. Als die Maschine nach einer halben Stunde Rundflug auf der Landebahn in Calden aufsetzt, winkt Erna Schmidt schon munter aus dem Cockpit ihren Freunden am Boden zu. „Das war so schön“, sagt sie und lässt sich die Kopfhörer aus dem kurzen grauen Haar nehmen. Sie schenkt ihrem Neffen Manfred Gottschalk ein breites Lächeln, der ihr den Flug über Kassel zum Geburtstag geschenkt hat. Zum 91. Geburtstag.

„Das vergess’ ich nie“, sagt die alte Dame aus Harleshausen, die zum ersten Mal in ihrem langen Leben in die Luft gegangen ist. „Neulich habe ich im Fernsehen am Flughafen die Schlangen stehen sehen“, erzählt Erna Schmidt, „Ach, habe ich gedacht, das würde ich auch gern mal erleben, so einen Flug.“ Da kam die Geschenkidee ihres Neffen wie gerufen. Manfred Gottschalk hat seit drei Jahren eine Sportpiloten-Lizenz und fliegt leidenschaftlich gern die Ultraleichtflugzeuge in Kassel-Calden.

Aufregung? Fehlanzeige

Kein Spur von Aufregung oder Angst habe seine Tante gezeigt, sagt der 52-Jährige. „Nein, wovor denn auch?“, wirft die alte Dame ein, die noch selbstständig zu Hause lebt. Was am schönsten war, vermag Erna Schmidt nicht zu sagen, die in knallroter Bluse und mit Perlenkette ihren persönlichen Jungfernflug absolvierte: „Es war alles so schön!“ Besonders fasziniert habe sie der Blick von oben auf die Stadt. „Was sind die Hochhäuser klein gewesen!“ Menschen habe sie keine erkennen können. „Aber lauter kleine Spielzeugautos“, sagt sie und fügt ihre beiden Zeigefinger ganz nah zueinander. Auch dem Herkules hat die 91-Jährige, die früher als Heißmanglerin und Büglerin gearbeitet hat, auf den Kopf gucken können.

Nach dem Aussteigen aus dem kleinen Flugzeug wartet auf die alte Dame, die seit einigen Jahren verwitwet ist und keine Kinder hat, eine Kaffeetafel. Nachdem der Gehstock abgestellt ist, lässt sich Erna Schmidt die Torte schmecken und blickt munter in die Runde ihrer Freunde und Verwandten, die sie zum Flughafen begleitet haben.

Wie lange ist sie wohl in der Luft gewesen, soll sie raten. „Ach, das ging ganz schnell, wir waren vielleicht eine Viertelstunde oben“, sagt die 91-Jährige. Als sie erfährt, dass der Flug doppelt so lange dauerte, ist sie verblüfft. „Ach was, eine halbe Stunde war das?“ Erna Schmidt zieht die Schultern hoch und lacht verschmitzt über ihre Fehleinschätzung. Manchmal vergeht die Zeit eben wie im Flug.

Von Katja Rudolph

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