Tarifkonflikt: Gewerkschaft startete Warnstreik-Welle beim Daimler-Achsenwerk

Zwei Stunden lang ruhte die Arbeit: Gestern legten die Beschäftigten im Daimler-Werk die Arbeit nieder, heute sollen die Warnstreiks im Unternehmenspark Mittelfeld weitergehen. Fotos:  Schoelzchen

Kassel. Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie lässt die IG Metall auch in Kassel die Muskeln spielen: Im Daimler-Achsenwerk haben am Mittwochvormittag 750 Beschäftigte für zwei Stunden die Arbeit niedergelegt und zogen mit Fahnen, Trillerpfeifen und Transparenten vors Werkstor.

Weitere Warnstreiks plant die Gewerkschaft für den heutigen Donnerstag im benachbarten Industriepark Mittelfeld sowie für Freitag in Bettenhausen an der Lilienthalstraße.

Die IG Metall fordert für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche 6,5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate sowie mehr Mitbestimmung bei Leiharbeit und die unbefristete Übernahme von Auszubildenden. Die Arbeitgeber bieten bislang 3 Prozent mehr Geld auf 14 Monate, lehnen die übrigen Forderungen aber ab. Sollte bis zum 20. Mai kein Abschluss erreicht sein, „dann bedeutet das für uns Arbeitskampf“, rief Oliver Dietzel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Nordhessen, unter lärmender Zustimmung der Daimler-Beschäftigten. In dem Achsenwerk sind 84 Prozent der Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert.

Die Warnstreikenden machten deutlich, dass sie sich insbesondere ihre Forderungen bezüglich der Leiharbeit und der Lehrlings-Übernahme nicht abhandeln lassen wollen. „Wer langfristig sein Fachpersonal erhalten will, muss der Jugend eine Perspektive geben“, forderte Fatih Sezer, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung.

„Das unternehmerische Risiko wird auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen“, kritisierte Lars Werner, stellvertretender Leiter der IG-Metall-Vertrauensleute im Werk. In immer stärkerem Umfang werde Personalbedarf durch Leiharbeit gedeckt, was neben ungerechter Entlohnung auch viel Unsicherheit für die betroffenen Familien mit sich bringe. Es sei „eine Provokation und ein Skandal“, dass die Arbeitgeberseite in diesem Punkt die Verhandlungsbereitschaft verweigere.

An den finanziellen Möglichkeiten könne es nicht liegen, meinte Vize-Betriebsratschef Rainer Popp. Die Metall- und Elektroindustrie sei „eine der bestverdienenden Branchen Europas“ und wolle ihre Beschäftigten nun billiger abspeisen, als die chronisch finanzschwachen Kommunen ihrem Personal zugestehen. Popp sagte: „Warnstreiks sind darauf genau die richtige Antwort.“

Von Axel Schwarz

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