Angehender Lehrer hat 25.000 Tweets abgesetzt

Kasseler "Tatort": Rekord-Twitterer spielt gleich zwei Rollen

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Drei "Tatort"-Gesichter, die bald in einem Film zu sehen sein werden: Die Frankfurter Ermittler Anna Janneke (Margarita Broich) und Hauptkommissar Paul Brix (Wolfram Koch) sowie Komparse David Redelberger aus Kassel.

David Redelberger aus Kassel ist einer der eifrigsten "Tatort"-Twitterer. Nun darf er in der Kasseler Folge mitspielen, die ab Dienstag gedreht wird. Dabei hatte er gleich doppelt Glück.

Ohne Twitter wäre David Redelbergers Traum vielleicht nicht in Erfüllung gegangen. In dem sozialen Netzwerk ist der Kasseler einer der eifrigsten "Tatort"-Gucker. Bis zu 70 Tweets schickt der 29-Jährige pro Folge ab. Darüber hat auch schon der Hessische Rundfunk (HR) berichtet. Den Link zum Beitrag schickte Redelberger nun mit, als er sich bei der ARD-Anstalt für eine Komparsenrolle im Kasseler "Tatort" bewarb. Natürlich wurde @davidfromkassel genommen - als einer von mehr als 1400 Bewerbern für 120 freie Plätze.

"Vielleicht hatte ich bei der Bewerbung einen leichten Vorteil", gesteht Redelberger, der laut Statistikern auf Platz drei der häufigsten "Tatort"-Twitterer steht. Glück hatte er auch, dass er nicht schon in der ersten Drehwoche vor der Kamera stehen muss. Ab dem 19. Juni dreht der HR mit den Ermittlern Anna Jannecke und Paul Brix in der Innenstadt die neue Folge, die den Arbeitstitel "Mühle" trägt. Da muss der Referendar jedoch noch Chemie und Physik an der Vellmarer Ahnatalschule unterrichten. Seinen großen Einsatz hat Redelberger erst in den Ferien am 25. Juni: "Alles andere wäre ziemlich doof gewesen."

In dem Film, den Redelberger für "ein südhessisches Zugeständnis an Nordhessen" hält, ist er gleich in einer Doppelrolle zu sehen: Er spielt einen Passanten sowie "den Fan eines Moderators, der der Hauptverdächtige" ist. Mehr erfährt Redelberger erst am Freitag vorher. Dann kann er sich genauer Gedanken machen, was er vom Dreh per Twitter in die Welt senden will. Der Mann mit der Kappe twittert nicht nur über den "Tatort", sondern auch über Katzen sowie Politik und über so ziemlich alles andere auch. Seitdem er sich 2011 bei Twitter angemeldet hat, sind fast 25.000 Tweets verzeichnet. Das sind im Schnitt mehr als 100 Tweets am Tag.

Hat er eigentlich nichts anderes zu tun? Klar. Redelberger hat nicht nur sein Studium erfolgreich beendet, sondern ist auch im Vorstand der Kasseler Linken aktiv. Er reist gern und besucht häufig Musik-Festivals. Nur der Sonntagabend ist dem "Tatort" vorbehalten. Dabei hat er nicht mal einen Fernseher. Wie viele in seinem Alter streamt er Inhalte über den Laptop. Er nutzt Streamingdienste und Mediatheken. Der "Tatort" ist das einzige Format, das er schaut, wenn es gerade ausgestrahlt wird.

Manchmal macht er das mit Freunden, meistens aber allein. "Twitter ist gut, weil man dann nie allein ist", sagt er. Dank seiner vielen Tweets hat er "richtig coole Leute" kennengelernt. Manchmal wurde er auf Twitter auch erst auf etwas im "Tatort" aufmerksam, das er übersehen hatte.

Diese TV-Saison gab es auf Twitter noch mehr Kritik als sonst. Manche Kritiker sprechen von einem schlechten "Tatort"-Jahrgang, weil die Drehbücher nicht überzeugten und die ARD-Programmplaner zuletzt gleich drei Sonntagabendkrimis über Nazi-Bauern innerhalb weniger Wochen versendeten.

Redelberger indes fand es nicht so schlimm. "Ich schaue trotzdem weiter", sagt er. Es macht ja auch mehr Spaß, auf Twitter über maue Filme abzulästern, als zu schreiben, dass ein Krimi überzeugend war. Trotzdem: "In erster Linie will ich gute Filme sehen."

Er weiß auch nicht, wie lang das Krimi-Format noch "das letzte TV-Lagerfeuer der Nation" sein wird, als das es oft bezeichnet wird. Vielleicht, vermutet Redelberger, "läuft der Tatort irgendwann auf Netflix". Er wird weiter darüber twittern - auch wenn er sein Profil gerade auf privat gestellt hat. Weil er jetzt nicht nur im Fokus seiner 1500 Follower und der Internet-Gemeinde steht, sondern sich auch die Schüler dafür interessieren, was der junge Lehrer eigentlich für ein Typ ist, will er demnächst in Ruhe "ausmisten", wie er es nennt, private Tweets zu löschen. Danach wird @davidfromkassel wieder öffentlich sein.

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