"So viel Trubel hat es bei uns noch nie gegeben"

Kassel-"Tatort": Nach dem Dreh aßen Vegetarier mit den Nachbarn Bratwürste

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"Tatort"-Stars in der Drehpause: Die Schauspieler Barry Atsma und Wolfram Koch.

Als Ulrich Spohr vorigen Sommer nach Hause kam, stand "Tatort"-Star Wolfram Koch bei ihm in der Küche. Hier erzählt der Kasseler Zahnarzt, wie er für die Film-Crew regelmäßig grillte.

Wie ist es, wenn in der Straße, in der man wohnt, ein Film gedreht wird? Dr. Ulrich Spohr weiß es. Er erzählt auch, wie es zu den Grillpartys in der Straße „Im Rosental“ kam, von denen die Tatort-Schauspieler Wolfram Koch und Margarita Broich in unserer Samstagsausgabe erzählt haben.

Herr Spohr, haben Sie schon mal überlegt, Ihren Beruf zu wechseln?

Ja, womöglich fange ich als professioneller Grillmeister an. (schmunzelt)

Das könnte Erfolg versprechend sein, so wie die Schauspieler von Ihren Grillkünsten schwärmen.

Naja, das kommt auch daher, dass wir bei uns in der Straße hin und wieder Nachbarschaftsfeste feiern – ganz spontan. Manchmal werkelt einer am Freitagnachmittag in der Garage rum, ein anderer fährt mit dem Auto vorbei und hält, der nächste bleibt auf dem Weg zum Briefkasten stehen. Auf einmal sind wir eine kleine Gruppe – und schon ist die After-Work-Party im Gange.

Und diese Spontanität hat letztlich auch zu den Grillfesten mit den Filmleuten geführt?

Ja, das Ganze hat ungeplant eine Eigendynamik entwickelt. Als die angefangen haben, vor dem Haus zu drehen, haben wir uns auf unsere Loggia gesetzt und die Filmleute beobachtet. Wir hatten ja quasi Logenplätze, und es war faszinierend mitzubekommen, wie es auf einmal auf der Straße von Schauspielern, Komparsen und Technikern nur so wimmelte. Ich habe eine Aufnahme, da sind mehr als 50 Leute vom Filmteam zu sehen. So viel Trubel hat es bei uns noch nie gegeben.

Wie kam es zum Kontakt zu den Schauspielern?

Das Produktionsteam vom HR hat uns gefragt, ob es sich in unserem Garten breitmachen dürfe – im positiven Sinne. Sie haben also unseren Vorgarten besetzt. Die Schauspieler saßen bei uns im Hof auf Regiestühlen und haben ihren Text gelernt. Da waren sie ungestört und konnten sich verstecken. Als ich eines Abends nach Hause gekommen bin, standen alle vor unserer Tür rum, da habe ich spontan gesagt: Kommt, wir trinken ein Feierabend-Bierchen. So ist die Idee aufgekommen, auch mal zu grillen. Wir haben das gleich für den nächsten Abend geplant, Frau Broich wollte die Getränke besorgen und wir haben die Würstchen spendiert.

Und dann gab es ein großes Fest?

In der Tat. Das HR-Filmteam hatte einen eigenen Truck für das Catering dabei. Nachdem das Set abgebaut war, haben die dann innerhalb einer Viertelstunde bei uns im Vorgarten Zelte und Biertischgarnituren aufgebaut, so hatten alle Platz, um die 30, 40 Personen. Wobei wir natürlich auch einen gewissen Ehrgeiz hatten: Wir wollten den Südhessen mal zeigen, was es in Nordhessen Gescheites zu essen gibt. Am Ende waren alle von Kasseler Ahler Wurscht und Bratwürstchen sehr angetan.

So wurde der Grillabend zum Ritual?

Das nicht gerade. Aber es war so eine tolle Stimmung, da habe ich am Ende des ersten Grillabends eher scherzhaft gesagt, dass wir das morgen wiederholen könnten. Und so saßen am nächsten Abend einfach alle wieder da. Wir haben mit den Nachbarn zusammen ein Buffet gezaubert, es gab zu frischem Brot neben Schmalz, Leberwurst und Schwartenmagen sogar veganen Brotaufstrich.

Wieso das denn?

Weil Regisseur Umut Dag und Barry Atsma, der im Tatort aus Kassel den Mörder spielt, eigentlich Vegetarier sind, wobei die am ersten Abend beide eine Bratwurst gegessen haben, wenn ich das verraten darf. Sie haben auch brav kundgetan, dass sie ihnen geschmeckt hat. Aber Barry Atsma hat da schon angedeutet, dass er am nächsten Abend kein Fleisch mehr essen würde. Also habe ich im Bioladen drei Gläser veganen Brotaufstrich geholt. Die waren hinterher übrigens komplett leer. Und soll ich Ihnen noch etwas verraten?

Nur zu!

Seit der Zeit essen wir das auch, schmeckt nämlich.

Ganz schön was los: Die Straße Im Rosenthal beim Dreh vorigen Sommer.

Haben Sie noch Kontakt zu den Filmleuten?

Ja, zu jemandem aus der Produktion, Robert. Ich kann Ihnen den Nachnamen gar nicht mehr sagen, wir haben uns alle immer geduzt – wie es halt so ist beim Film. Robert ist ein super Typ. Er war auch der Erste, der bei uns vorstellig wurde. Es ging darum, ob unser Haus im Tatort gezeigt werden darf. Ich habe ihm damals gesagt: Solange ihr hier kein Chaos veranstaltet, könnt ihr alles machen.

Das Angebot haben die Filmleute angenommen?

Durchaus. Meine Frau kam mittags mal nach Hause, da stand dann Wolfram Koch in der Küche. Das war alles ganz locker, die Schauspieler waren wirklich sehr nett.

War am Ende die ganze Straße im Tatort-Fieber?

Es war schon für alle spannend und interessant, die Dreharbeiten zu verfolgen. Eine einfache Szene, das Gespräch zwischen Kommissar Brix und einer Zeugin zum Beispiel ist bestimmt 20 Mal gedreht worden, Wahnsinn. Faszinierend war auch, wie die Filmleute es plötzlich haben regnen lassen – an einem richtig schönen Tag. Die hatten Geräte, die ich Wassergiraffen genannt habe. Sie sehen aus wie überdimensionierte Mikrofonständer, an denen oben ein Blech angebracht ist. Auf diese Bleche wird mit Hochdruck Wasser gespritzt, schon sieht es aus wie heftiger Monsunregen.

Wünschen Sie sich denn eine Fortsetzung des Kassel-Tatorts in Ihrer Straße?

Ich fand es klasse, dass ein Tatort in unserer Straße gedreht wurde. Barry Atsma wohnt in Amsterdam, er hat erzählt, dass die Menschen in seiner Stadt richtig aggressiv werden, wenn Filme gedreht werden. Von daher war das für ihn hier wie ein Paradies. Ich sag’s mal so: Sie dürfen gern noch einmal kommen, aber bitte nicht jede Woche, so viel Zeit zum Feiern haben wir nun auch nicht.

Grillte für die Schauspieler: Ulrich Spohr.

Das ist Ulrich Spohr

Dr. Ulrich Spohr wird in dieser Woche 62 Jahre alt. Der Zahnarzt kommt aus Kassel und hat in der Innenstadt eine Praxis für Kieferorthopädie. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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Hier steht die "Tatort"-Villa:

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