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AG Fahrrad der Polizei Kassel verbucht erste Erfolge: 80 Verdächtige festgenommen

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Diese gestohlenen Räder wurden von der Polizei sichergestellt: Polizeisprecher Matthias Mänz steht neben einem Rad, das bei der Neuanschaffung um die 6500 Euro gekostet hat.
Diese gestohlenen Räder wurden von der Polizei sichergestellt: Polizeisprecher Matthias Mänz steht neben einem Rad, das bei der Neuanschaffung um die 6500 Euro gekostet hat. © Ulrike Pflüger-Scherb

Drei Polizeibeamte in Kassel gehören der Arbeitsgruppe Fahrrad an. Sie kümmern sich ausschließlich darum, Fahrraddiebe zu überführen. Mit Erfolg: Die Zahl der Festnahmen ist deutlich gestiegen.

Kassel – Vor dem Kasseler Auebad wurden im Juli und August dieses Jahres vermehrt Fahrräder und E-Bikes gestohlen. Die Verdächtigen, eine Gruppe von 18- bis 25-Jährigen, habe man schnell identifiziert, sagt Polizeihauptkommissar Thorsten Klug. Im September wurden sie festgenommen.

Klug ist der Leiter der Arbeitsgruppe Fahrrad, die kürzlich im Polizeipräsidium Nordhessen eingerichtet worden ist, um Fahrraddieben gezielter das Handwerk zu legen. Das ist erforderlich, weil es auch in Kassel, wie überall bundesweit, einen enormen Anstieg an Fahrraddiebstählen gegeben hat. Im Jahr 2020 wurden in der Stadt 759 Diebstähle angezeigt, 2021 waren es bereits 1468 Fälle, so Polizeisprecher Matthias Mänz.

Das liegt daran, dass sich immer mehr Menschen in den vergangenen Jahren Räder, darunter viele hochwertige E-Bikes, zugelegt haben. Das gestiegene Umweltbewusstsein und die hohen Spritpreise sind wohl zwei Gründe für diese Entwicklung.

Bereits im Vorjahr sei die Sachbearbeitung von Fahrraddiebstählen in Stadt und Landkreis Kassel aus diesem Grund zentralisiert worden, so Mänz. Jetzt wurde die AG Fahrrad eingerichtet, die sich ausschließlich und konzentriert der Bekämpfung dieses Deliktbereichs widmet. „Die Fäden laufen hier zentral zusammen, wir müssen uns um keine anderen Aufgaben kümmern“, sagt Klug. Neben ihm gehören zwei weitere Beamte der AG an, die im Revier Ost in der Leipziger Straße angesiedelt ist. Bei Bedarf werden die Beamten von Kollegen der Reviere oder der Bereitschaftspolizei unterstützt. Während früher Fahrraddiebstähle dezentral auf den verschiedenen Revieren bearbeitet wurden, arbeiten die Ermittler heute täterorientiert. Das bedeutet, dass sie sich gezielt um Tatort-Schwerpunkte kümmern.

In Kassel waren das in jüngerer Vergangenheit der Vordere Westen, der Königsplatz, der Bereich um das Rathaus, das Uni-Gelände in der Nordstadt und der Auedamm.

Dort seien verstärkt uniformierte und zivile Beamte unterwegs gewesen, um die Fahrraddiebe bei ihren Taten zu überführen. Mit Erfolg: Während im vergangenen Jahr insgesamt 59 Tatverdächtige ermittelt worden sind, seien es in diesem Jahr bereits 80 Personen, so Klug. Darunter seien Junkies, die schnell Geld benötigten, aber auch Gruppen, die überregional agieren.

In Sachsen sei kürzlich zum Beispiel eine Tätergruppe erwischt worden, die zuvor Räder in Frankfurt, Kassel und Hannover gestohlen habe. In Sachsen hätten die Diebe überführt werden können, weil eines der gestohlenen Räder einen GPS-Tracker hatte. Mit diesem Diebstahlschutz haben auch die Kasseler Ermittler bereits gestohlene Räder wieder aufgespürt.

Den Ermittlern gehe es aber nicht nur darum, die Täter zu erwischen, sondern auch genügend Beweise zu sammeln, die zu einer Verurteilung vor Gericht führen. Zwei Fahrraddiebe seien kürzlich zu Haftstrafen von jeweils über zwei Jahren verurteilt worden, sagt Klug. Man hoffe, dass von solchen Strafen eine Signalwirkung ausgehe. Zudem sei seit August für vier Tatverdächtige Untersuchungshaft angeordnet worden.

Neue Erkenntnisse, die die Ermittler bei ihrer Arbeit gewinnen, geben sie immer an die Kollegen von der Prävention weiter. Apropos Prävention – wie schütze ich mein Rad am besten? „Wir empfehlen zwei Schlösser, die so eng wie möglich um das Fahrrad liegen“, so Klug. Wenn man sein Rad draußen abschließe, solle man das an einem belebten Ort machen, am besten in Sichtweite.

Eine gute Nachricht für Diebstahlopfer: Gestohlene Räder werden auch immer wieder sichergestellt. Im Polizeipräsidium stehen aktuell um die 300 Räder. Bislang sind noch nicht alle Eigentümer identifiziert. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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