"Tattoomenta"

Kitsch und Kunst für den Körper: Tattoo- und Piercingmesse in documenta-Halle

Kassel. Janine beißt die Zähne zusammen. Ihr Bauch ist bis zum Schambein entblößt. Die 18-Jährige lässt sich ein Edelweiß in die Leistengegend stechen – es ist ihr erstes Tattoo. „Manchmal ist es ziemlich heftig“, sagt sie über den Schmerz und lächelt tapfer.

Die meisten Besucher der Tattoo- und Piercingmesse in der documenta-Halle kennen das Gefühl, wenn die Nadel in die Haut sticht: Bunte Bilder zieren Arme und Beine, Rücken, Hals und Dekolleté.

Wer einmal damit anfängt, will meist mehr. Auch Janine träumt schon von weiteren Tattoos. Das Angebot ist groß. Über 100 Tattokünstler aus Deutschland und dem Ausland bieten auf der Tattoomenta ihre Dienste an, die bereits zum siebten Mal von der Kasselerin Jenny Franke („Jenny B.“) organisiert wurde. Darunter auch Daniel Krause aus Berlin, der als Deutschlands bekanntester Tätowierer gilt. Er kennt die Trends: Tiermotive wie Rehe und Hirsche sind demnach angesagt. Das gute, alte „Arschgeweih“ merkt der Insider noch an, der auf der Tattoomenta sein Buch zum Thema vorstellt, sei unberechtigt in Verruf geraten. Denn die doppelseitige Ranke über dem Steiß sei doch „eine sehr erotische Tätowierung“, die weibliche Formen betont. Ist aber nicht mehr angesagt.

Karoline Fux (34), die sich in der documenta-Halle einen Eichelhäher stechen lässt, liegt damit im Trend. „Ich finde den einfach toll. Ein Fuchs wäre zu einfach gewesen“, sagt die Hausfrau aus Kassel mit Blick auf ihren Nachnamen.

Wer seinen Körper in ein Gesamtkunstwerk verwandeln lassen will, muss tief in die Tasche greifen. „Anständige Tättowierer packen die Nadel nicht aus unter 50 Euro“, sagt Steven Heyer aus Magdeburg. „Nach oben gibt’s keine Grenze.“ Ein Freund habe 6000 Euro für seinen bunten Rücken bezahlt, die Preise könnten aber weitaus höher liegen. „Ich habe auch schon Unterarme für 2000 Euro gesehen.“

Fotos von der "Tattoomenta"

Impressionen von der „Tattoomenta" in Kassel

Heiko Habelt, aus Dreieich nach Kassel gekommen, lässt sich ein Steuerrad und einen Anker auf den Oberschenkel tätowieren. Er erfüllt sich damit einen Traum aus Kindheitstagen. „Tattos kommen ja auch aus der Seefahrt“, sagt er. Der 39-Jährige aus der Entsorgungsbranche hat sein Leben in bunten Bildern auf Armen und Beinen festgehalten. Die Haut sei seine Leinwand, sagt er voller Stolz. „Und die trage ich am Körper herum.“

Die Tattomenta ist noch bis 23 Uhr geöffnet, Sonntag von 11 bis 19 Uhr.

Von Ellen Schwaab

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