Totschlag in JVA Wehlheiden

Totschlag in JVA Wehlheiden: Tatverdächtiger war psychisch auffällig

Kassel. Der 37-jährige Häftling, der unter dem dringenden Tatverdacht steht, am Sonntag, 16. September, seinen 54-jährigen Zellengenossen getötet zu haben, galt bereits vor Haftantritt im Wehlheider Gefängnis als „psychisch auffällig“.

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Eine Gefängnispsychologin sah darin aber keine Gefahr und hob den Vermerk auf. Mittlerweile liegt der Mann in einem psychiatrischen Krankenhaus, sagt Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel. „Uns liegen Anhaltspunkte für eine psychische Störung vor.“

Der 37-Jährige, der am 14. September als Transporthäftling in die Justizvollzugsanstalt Kassel I gebracht worden war, soll in seinen Unterlagen den Vermerk „psychisch auffällig“ gehabt haben. Dieser Hinweis kam von den Mitarbeitern der JVA in Berlin, wo er zuvor gesessen hatte.

Aufgrund des Vermerks soll der 37-Jährige, der wegen versuchten Raubes und Körperverletzung verurteilt worden war, von einer Psychologin in Wehlheiden untersucht worden sein. Die Frau kam offenbar zu dem Ergebnis, dass von dem Mann keine Gefahr ausgehe. Sie soll den Vermerk am Freitag aufgehoben haben.

Zudem habe der 37-Jährige, der aus Moldawien stammt, den Wunsch geäußert, nicht allein untergebracht zu werden. Daraufhin wurde er mit dem 54-jährigen polnischen Mitgefangenen zusammengelegt.

Die JVA Wehlheiden im Regiowiki.

Da jeder Häftling Anspruch auf eine Einzelunterbringung hat, muss der Pole der Unterbringung in der Doppelzelle zuvor schriftlich zugestimmt haben. Eine Entscheidung, die dem 54-Jährigen zum tödlichen Verhängnis wurde. Er wurde in der Doppelzelle umgebracht.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Totschlags. Laut Wied gibt es bislang aber keine Anhaltspunkte dafür, dass ein fehlerhaftes Verhalten seitens der JVA oder der Psychologin vorliegt.

Die Frau soll nach der Tat den Vermerk „psychisch auffällig“ wieder eingefügt haben, heißt es.  (use)

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