Bomben? Waffen? Taucher suchen in der Fulda

Kassel. Über 100 Eisenteile sind bei der Sondierung der Fulda in Höhe des Motor- und Yachtclubs entdeckt worden. Am Dienstag nun suchten Taucher nach diesen Metallstücken - es könnten Bomben und Waffen sein.

„Ich bin es gewöhnt, im Schwarzen zu tauchen“, sagt Thomas Borchert. Der Berufstaucher (44) arbeitet für die Kampfmittelbergung Schollenberger aus Celle. Seit Dienstag sucht der 44-jährige Berufstaucher und Feuerwerker mit zwei Kollegen die Fulda auf Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg ab.

Nachdem die drei Feuerwerker in der vergangenen Woche zunächst mit einem Arbeitsboot zur Kampfmittelsondierung in Höhe des Motor-Yacht-Clubs den Fluss unter die Lupe genommen und die Daten ausgewertet hatten, ging es am Dienstag ins Wasser. Auf der Fläche von 250 mal 30 Meter (7500 Quadratmeter) haben die drei Männer mit einer Hilfe der Magnettechnik insgesamt 101 Störpunkte unter Wasser ausgemacht. 101 Stellen, an der Teile aus Eisen in einer Tiefe von rund 4,50 Meter liegen.

Ob es sich bei den Eisenteilen um Schrott oder um Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg handelt, können die Experten von oben nicht feststellen. Dafür muss Thomas Borchert in die Tiefe gehen und sich langsam an die unbekannten Körper herantasten. „Wenn ich etwas sehe, ist das schon Luxus“, sagt Borchert. Die Sicht in der Fulda sei aber relativ gut. Er habe 30 bis 40 Zentimeter weit sehen können.

Lesen Sie auch:

- Sperrung bis Herbst: Fulda wird auf Waffen und Munition untersucht

- Erneut Gasblasen in der Fulda: Verdacht auf Phospormunition

Problematischer als die Sicht sei bei der Erkundung allerdings die Bodenbeschaffenheit des zu untersuchenden Areals, sagt der Feuerwerker. „Der Untergrund ist sehr hart. Da ist eine Kiesschicht, die 20 bis 40 Zentimeter hoch ist, dann kommt eine Weichschicht und dann wieder eine Kiesschicht“, berichtet Borchert. Und die Eisenteile, die geborgen werden müssen, stecken meistens mitten in der Weichschicht. Das bedeutet Knochenarbeit.

Borchert hat die Teile, die er am Dienstag entdeckt hat, zunächst mit seinen Händen freigelegt. Wenn das nicht klappt, werden zwei Geräte - Sauger und Spüle - eingesetzt, um die Fundstücke aus dem Flussbett zu befreien. Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg haben die Feuerwerker, die bislang fünf der 101 Störstellen untersucht haben, nicht entdeckt. Dafür haben sie Schrott an Land geholt: Ein Grundgewicht zum Bojensetzen, ein Reststück von einem Steg, ein altes Abflussrohr aus Metall und ein undefinierbares Stück Volleisen. Das Grundgewicht (dafür wurde einst Beton in ein kleines Fass gegossen) hat dem Berufstaucher besondere Schwierigkeiten gemacht. Beim Ertasten des Stückes hat ihm ein hervorstehendes Teil ein Stück von seinem Taucheranzug aufgerissen. Die Folge: Borcherts Anzug lief voll Wasser.

Nach einer halben Stunde musste er deshalb den ersten Tauchgang abbrechen und den Anzug wechseln. Wenn er eine Bombe unter Wasser identifiziere, dann schnelle sein Puls schon in die Höhe, sagt der 44-Jährige. „Es wäre schlimm, wenn es nicht so wäre.“ Am Mittwochmorgen wird die Suche fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © HNA

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.