Tausende Tonnen Lebensmittel landen rund um Kassel im Hausmüll

Kassel. Mehrere tausend Tonnen noch einwandfrei genießbare Lebensmittel entsorgen die Menschen in Stadt und Landkreis Kassel Jahr für Jahr mit ihrem Hausmüll.

Das geht aus einer Schätzung von Abfallexperten hervor, die im Stadtgebiet stichprobenweise in die Tonnen geschaut haben.

Durch sorglose Wegwerfmentalität werde immer mehr Nahrung verschwendet, hat Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner kürzlich beklagt. Diesen Befund kann Jörg Siepenkothen vom Witzenhausen-Institut bestätigen. „Den Leuten geht’s einfach zu gut“, meint er.

Für eine Studie im Auftrag der Stadtreiniger hatte Siepenkothen 2008 in Kasseler Tonnen gestöbert und die einzelnen Müllanteile erfasst. „Da packt einen das Grausen, was da alles weggeworfen wird“, berichtet der Abfall-Analytiker über seine Funde: eingeschweißter und noch drei Monate haltbarer Schinken, gegrillte, aber nicht gegessene Würstchen von der Gartenparty, Molkereiprodukte weit diesseits der Mindesthaltbarkeit, jede Menge Brot und viel verpacktes, jedoch nur teilweise verzehrtes Essen.

Siepenkothen schätzt, dass drei bis fünf Prozent all dessen, was im Haus- und Biomüll landet, „vom Zustand her noch gut konsumierbar wäre“. Setzt man dies ins Verhältnis zur gesamten Hausabfallmenge in Stadt (47.000 Tonnen) und Landkreis Kassel (82.300), so träfe das auf 4000 bis 6000 Tonnen des jährlichen Aufkommens zu.

Dabei ist der Verbraucher „nur das letzte Glied“ in der Vernichtungskette, weiß Siepenkothen. In Handel und Großgastronomie wird das heikle Thema ausgesprochen diskret behandelt. Bei der westfälischen Firma Refood, nach eigenen Angaben Marktführer bei der Entsorgung von Lebensmittelresten, sind keine Angaben über deren Geschäftsbeziehungen im Raum Kassel zu erhalten. Ein Sprecher: „Unsere Kunden haben den dringenden Wunsch, nicht mit dem Wegschmeißen in Verbindung gebracht zu werden.“

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