Taxi-Tarife: Teurer trotz Konkurrenz

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Ab 25. Mai zählt das Taxameter anders: Einige der insgesamt 156 Kasseler Taxis vor dem Bahnhof Wilhelmshöhe.

Kassel. Die Preise fürs Taxifahren in Kassel werden einheitlich von der Stadt festgelegt. Den Anstoß für die Tarifanhebung hatten Klagen aus dem Gewerbe gegeben, dass die Unternehmer angesichts hoher Spritpreise immer schlechter auf ihre Kosten kämen.

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Lothar Pflüger vom Ordnungsamt erläuterte, wie die neuen Preise gebildet wurden. „Wir verlassen uns nicht allein auf die Aussagen einzelner Unternehmen“, sagte der zuständige Abteilungsleiter.

Nach dem Vorstoß von acht Taxifirmen im Frühjahr 2011 habe das Ordnungsamt alle 59 Betriebe angeschrieben, nach ihrer Meinung gefragt und auf freiwilliger Basis um Daten zu Fahrgastaufkommen, Umsätzen, Betriebsschichten und dergleichen gebeten. Gut die Hälfte der Firmen machte mit.

Für das Schweigen der anderen kommen mehrere Gründe infrage. Manche wollen sich wohl nicht in ihre Betriebsdaten schauen lassen, ein gewisser Teil der Unternehmer hat überhaupt kein Interesse an höheren Tarifen. Sie fürchten, dass dann mehr Fahrgäste auf die billigeren Minicars umsteigen.

Am Ende habe knapp ein Drittel aller Konzessionsträger Daten zur Verfügung gestellt, sagte Pflüger: „Das ist schon repräsentativ, wenn man die Beteiligung bei manchen Wahlen betrachtet.“ Zudem stimme die Mischung: Taxifirmen aller Größen hätten Einblick gegeben, wie die Geschäfte laufen.

„Gar nicht so schlecht“

Lothar Pflüger

Den Daten zufolge „geht es dem Gewerbe auf der einen Seite gar nicht so schlecht“, berichtete Pflüger: Umsätze und Fahrten seien seit 2007 etwa gleich geblieben, eine massenhafte Abwanderung zur Minicar-Konkurrenz sei somit nicht zu erkennen. Das sage allerdings wenig über die Rentabilität aus. Pflüger: „Die Gewinnsituation ist uns verschlossen, da dürfen wir nicht reingucken.“

Da das Ordnungsamt zur Beurteilung aber auch statistische Daten zur Preisentwicklung heranziehe, wisse man, dass wesentlich weniger übrig bleibe. Für Reparaturen, Neuwagen, Versicherungen und vor allem fürs Tanken müsse die Branche 24 Prozent höhere Kosten bewältigen als vor fünf Jahren. Von daher halte das Amt eine Tariferhöhung für angemessen, die der Steigerung der allgemeinen Lebenshaltungskosten seit 2007 Rechnung trage. Pflüger sprach von einer „sehr moderaten Anpassung“ der Taxipreise.

Für die Empfehlung des Ordnungsamts an den Magistrat spiele es keine Rolle, wie sich der Wettbewerb durch private Mietwagen in der Branche bemerkbar macht, betonte Lothar Pflüger: „Der Gesetzgeber verlangt, dass wir das losgelöst betrachten.“ Die Minicars, die keiner Beförderungs- und Betriebspflicht unterlägen, seien „ein ganz anderer Verkehrsbereich“. Entscheidend sei allein die Frage, unter welchen tariflichen Rahmenbedingungen das Taxigewerbe seiner Aufgabe als öffentlicher Verkehrsträger nachkommen könne. Die Preise müssten auskömmlich genug sein, dass die Unternehmer den Betrieb sicherstellen können. „Aber auch niedrig genug, damit sich die Kasseler das Taxifahren weiterhin leisten können“, sagt Pflüger.

Mietwagen: Billiger und ohne Preisbindung

Anders als Taxis sind Minicars nicht an städtisch verordnete Tarife gebunden. Sie sind billiger, die Preise schwanken je nach Unternehmen. Beispiele für eine Fahrt vom Bahnhof Wilhelmshöhe zum Staatstheater (4,3 Kilometer): Taxi bisher 9,60, künftig 10,50 Euro - Minicar Firma A: 5,57 Euro; Firma B: 6,91 Euro.

Von Axel Schwarz

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