Konvoi fährt hupend durch die Stadt 

Taxifahrer streiken am Montag in Kassel: Protest gegen Minicar

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Sehen sich im Nachteil: Taxifahrer protestieren am Montag gegen Minicarbetreiber. Der Vorwurf: Minicars würden den Taxis mit illegalen Mitteln immer mehr Fahrgäste abwerben.

Kassel. In Kassel wird ab Montagmittag für ein paar Stunden kaum ein Taxi zu bekommen sein: 60 bis 80 Taxis werden in einem Protest-Konvoi hupend und im Schritttempo durch die Stadt rollen.

Anschließend werden sich die Fahrer zu einer Kundgebung vor dem Ordnungsamt an der Kurt-Schumacher-Straße versammeln.

Mit der Aktion wollen die Fahrer dagegen protestieren, dass ihnen Minicars mit illegalen Mitteln immer mehr Fahrgäste abwerben. Die Stadt müsse mehr tun, um ständige Rechtsverstöße der privaten Konkurrenz zu unterbinden, fordert die Interessengemeinschaft Kasseler Taxifahrer (IGKT), die hinter der Protestaktion steht. 

„Seit Jahren ist den Verantwortlichen bekannt, welche Zustände in Kassel herrschen und dass diese von Jahr zu Jahr schlimmer werden“, sagt IGKT-Sprecher Mario Birle. Der unfaire Wettbewerb sei ruinös für das Taxigewerbe, das in Kassel Teil des öffentlichen Nahverkehrs mit entsprechenden Pflichten ist. Die geplante Demonstration sei eine Verletzung dieser Betriebspflicht, „doch leider haben wir keine andere Wahl mehr“, wirbt Birle um Verständnis. Trotz der Kundgebung sei am Montag sichergestellt, dass die wichtigsten Fahrten ausgeführt werden könnten. Dazu zählten etwa Krankenfahrten zur Dialyse oder Bestrahlung sowie Transporte von Blutkonserven.

Die Taxi-Service-Zentrale 88 111, die als Dachverband des Gewerbes in Kassel die Fahraufträge vermittelt, hat ihre Solidarität mit der Aktion der Fahrer erklärt, „da auch wir unter den Gesetzesüberschreitungen der Mietwagenfirmen leiden und auch unsere Existenz dadurch gefährdet wird“, sagte Geschäftsführer Markus Semmelroth. Man werde am Montag versuchen, alle Aufträge so gut wie möglich auszuführen und bitte um Verständnis, wenn es zu Verzögerungen kommen sollte.

IGKT-Sprecher Birle rechnet damit, dass sich der Taxibetrieb am Montag ab etwa 16 Uhr wieder normalisieren wird.

Zu den Problemen der Taxifahrer hatte die CDU in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung einen Vorstoß gestartet, das Thema aktuell auf die Tagesordnung nehmen zu lassen. Dies wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt. „Wir werden an dieser Stelle nicht nachlassen und das Problem in den Ausschüssen diskutieren“, erklärte CDU-Stadtverordneter Stefan Kortmann.

Diese Route nimmt der Protestzug der Taxis

Für den Protest-Konvoi der Taxifahrer ist folgende Route geplant: Um 13 Uhr starten die Fahrzeuge am Bahnhof Wilhelmshöhe. Von dort geht es die Wilhelmshöher Allee hinunter bis zum Kirchweg und von dort über Germania- und Goethestraße, Friedrich-Ebert- und Fünffensterstraße am Rathaus vorbei. Weiter fährt der Taxi-Demonstrationszug über Steinweg, Altmarkt und Fuldabrücke zum Platz der Deutschen Einheit, wo eine Runde gedreht und zurück Richtung Altmarkt gefahren wird. Vor dem Ordnungsamt im Hansahaus an der Kurt-Schumacher-Straße soll dann eine Abschlusskundgebung stattfinden. 

Das sagt Minicar 

Regelungen auf den Prüfstand stellen „Es ist richtig, dass einige Minicars aus dem Umland sich nicht konform verhalten“, sagt Dieter Eggers, Werbe- und Marketingleiter der Firma Minicar-Citycar Kassel. Dieses Verhalten könne man aber nicht verallgemeinern, denn schwarze Schafe gebe es in jeder Branche. 

Auch manche Taxifahrer würden sich nicht an die Pflichten halten, würden die festgelegten Taxihalteplätze in der Stadt nicht zum Warten auf Aufträge anfahren oder mit mehr Fahrzeugen an den Halteplätzen stehen, als zulässig sei. „Wer selbst permanent gegen gültiges Recht verstößt, hat keinen Grund sich zu beschweren“, erklärt Eggers. Es sei auch nicht in Ordnung, dass nicht genau hingeschaut werde, „wer hier die Verstöße begeht“. 

Minicar-Citycar Kassel habe viele Abholaufträge an den Bahnhöfen, deshalb würden dort Minicars auf ihre Fahrgäste warten. „Unsere Fahrer werden zudem ständig darüber belehrt, dass Sie sich an die gesetzlichen Grundlagen halten müssen“. In Anbetracht dessen sollte man die bestehenden Regelungen „mal auf den Prüfstand stellen“, fordert Eggers. Und dabei auch überdenken, ob angesichts der Debatte um die Luftverschmutzung durch den Autoverkehr in den Städten „eine Rückkehrpflicht der Fahrzeuge heute noch zeitgemäß ist.“

Archiv: Unterwegs mit Taxifahrerin Jutta Rudolph

Angst hat Jutta Rudolph nicht. Seit über 40 Jahren fährt die 62-Jährige nachts Taxi in Kassel. Sie hat Götz George die Stadt gezeigt, ist mit dem Taxi bis nach Frankreich gefahren und lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn ihr ein Fahrgast eine Pistole an den Kopf hält.

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