Kasseler Forscher bringen Robotern bei, eigenständig fremde Planeten zu erkunden

Schuss und Tor: Doktorand Hendrik Skubch vom Fachgebiet Verteilte Systeme präsentierte einen der Roboter-Kicker kürzlich beim Campusfest. Mit ihrem Fußballteam aus Automaten sind die Kasseler Forscher sehr erfolgreich. Foto: Herzog

Kassel. Expeditionen zu fernen Planeten haben ihre Tücken: Vor zwei Jahren fuhr sich das Erkundungsfahrzeug der US-Marssonde Spirit, der so genannte Rover, auf dem roten Planeten in einem Sandhaufen fest, der Funkkontakt riss ab.

Kasseler Forscher arbeiten nun mit daran, dass bei künftigen Expeditionen solche oder ähnliche Pannen bei der Erkundung von Planeten umschifft werden können. Sie entwickeln selbstständig arbeitende, „intelligente“ Roboter, die auch in brenzligen Situationen die richtigen Entscheidungen treffen können.

Kurt Geihs

Roboter, die Aufgaben von Menschen übernehmen, sind beispielsweise in der Autoindustrie schon seit vielen Jahren im Einsatz, auch im Haushalt sind sie auf dem Vormarsch. Selbst Staubsaugerroboter, die selbstständig das Wohnzimmer reinigen, besäßen schon „elementare Lernfähigkeiten“, sagt Professor Kurt Geihs, Leiter der Arbeitsgruppe des Forschungsprojekts Impera am Fachgebiet Verteilte Systeme der Uni Kassel.

Ziel der Forscher ist es, die künstliche Intelligenz der künftigen Expeditionsroboter durch komplexe Algorithmen, also mathematische Handlungsanweisungen, so auszubauen, dass diese als Team ohne fremde Hilfe ihre Aufgaben arbeitsteilig auf fremden Planeten erledigen können.

Dazu gehöre auch, „sich gegenseitig zu helfen und verschiedene Handlungsoptionen zu bewerten“, erläutert Geihs. Es gelte, den Erkundungsrobotern so etwas wie eine „Teamfähigkeit“ einzuhauchen, sagt Geihs Mitarbeiter, der Doktorand Hendrik Skubch.

Im Fußball schon erfolgreich

Das Fachgebiet kann auf eine reiche, praktische Erfahrung beim Bau und der Programmierung solcher „schlauen“ Roboter zurückgreifen. Seit fünf Jahren beteiligt es sich mit einem Team aus sechs Fußball spielenden Automaten erfolgreich an den Robo-Cup-Meisterschaften. Diese Roboter müssen bereits ihr Wissen austauschen, Spielstrategien gemeinsam festlegen und Aufgaben untereinander verteilen, um zum Torerfolg zu kommen.

Die Anforderungen an die Planeten erkundenden Automaten werden allerdings ungleich höher sein. Während ein Fußballfeld in seinen Abmaßen und mit seinen zwei Toren recht überschaubar und von vornherein bekannt ist, birgt ein unwirtlicher Planet wie der Mars die unterschiedlichsten Hindernisse und Gefahren. Das verlangt den Automaten komplexe Entscheidungsprozesse ab.

Test auf Mondlandschaft

Die „Intelligenz“ der Roboter werden die Wissenschaftler zunächst mithilfe von Simulationen testen. Danach soll es in Kassel einen Praxistest mit drei Robotern geben. Zum Ende des Projekts müssen sich die von den Forschern programmierten Automaten bei einer Aufgabe, die sie gemeinsam erledigen sollen, auf einer nachgebauten Mondlandschaft bewähren.

Foto: Dilling/bf

Von Peter Dilling

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