Übersicht über die neuen Gebühren

Technik mit Defiziten: ADAC-Experte bewertet neue Parktarife und Automaten

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Nahm für uns die neuen Parkgebühren unter die Lupe: Verkehrsexperte Wolfgang Herda vom ADAC. Er bemängelt vor allem, dass die Geräte nach wie vor kein Wechselgeld herausgeben.

Kassel. Die Parkgebühren in Kassel sind im Schnitt um 66 Prozent gestiegen. Für eine Stunde Parken zahlt man in der Innenstadt sogar hundert Prozent mehr: Zwei Euro statt bislang einen. Verkehrsexperte Wolfgang Herda vom ADAC Hessen-Thüringen hat sich die Kasseler Parkautomaten angeschaut.

Auch unabhängig von der Frage, ob der Gebührenanstieg gerechtfertigt ist, gibt es weitere Kriterien, anhand derer das neue Gebührensystem bewertet werden kann.

Was negativ auffiel: 

• Parkautomaten wechseln nicht. Der ADAC-Tester traf gleich mehrere Autofahrer an, die andere Passanten ansprachen und nach Kleingeld fragten. Vor allem beim Langzeitparken in Gebührenzone II, wo etwa fünf Euro für fünf Stunden fällig werden, sei die Wahrscheinlichkeit, dass das nötige Kleingeld fehlt, hoch. Teurer in der Anschaffung, aber serviceorientierter, seien Automaten, die Geldscheine akzeptieren. Weiteres Problem: Wenn jemand nur ein Zwei-Euro-Stück hat, aber nur eine halbe Stunde im Zentrum parken wolle, sei er gezwungen, für eine Stunde zu bezahlen.

Die neuen Parkgebühren

Parkzone Zentrum
• 1 Euro für 30 Minuten
• 1,50 Euro für 45 Minuten
• 2 Euro für eine Stunde
• Jede weiteren 15 Minuten Parkzeit kosten jeweils 50 Cent bis zur maximalen Parkzeit von drei Stunden für 6 Euro.

Parkzone II
• 50 Cent für halbe Stunde
• Ein Euro für eine Stunde
• 1,50 Euro für 1,5 Stunden
• 2 Euro für 2 Stunden
• 4 Euro für 3 Stunden

Langzeitparken in der Zone II (nur wo zulässig)
• 5 Euro für 5 Stunden
• 7 Euro für 11 Stunden

Parkzone II Wilhelmshöhe(Umfeld des Wilhelmshöher Bahnhofs)
• 1 Euro für 30 Minuten
• 1,50 Euro für 45 Minuten
• 2 Euro für 1 Stunde
• 2,50 Euro für 1,25 Stunden
• 3 Euro für 1,5 Stunden
• 3,50 Euro für 1,75 Stunden
• 4 Euro für 2 Stunden

Vorplatz Bahnhof (Willy-Brandt-Platz)
• 1 Euro für 30 Minuten
• 1,50 Euro für 45 Minuten
• 2 Euro für 1 Stunde

Graf-Bernadotte-Platz:
1 Tag 5 Euro, 3 Tage 10 Euro, 7 Tage 15 Euro, 16 Tage 20 Euro.

• Die Parkintervalle könnten flexibler sein: Es ist nicht möglich, nur für 20 Cent zu parken. Auch ein 15-Minuten-Ticket für kurze Besorgungen gebe es nicht. Die Mindestparkzeit beträgt 30 Minuten.

• Handyparken, also die Bezahlung der Gebühren mit dem Mobiltelefon, ist derzeit nicht möglich. Diese bargeldlose Variante sollte ursprünglich flächendeckend im Oktober eingeführt werden. Wegen technischer Probleme sei es zu Verzögerungen gekommen, teilt die Stadt mit. Die Ausschreibung für den Anbieter des Handyparkens und die Anschaffung von Erfassungsgeräten, mit denen das Ordnungsamt die Handyparktickets kontrollieren kann, dauere länger als gedacht. Den ADAC verwundert dies: In anderen Städten seien solche Systeme seit Jahren etabliert. „Das ist ja keine neue Technologie“, sagt Herda.

• Einige Tarifabstände seien nicht nachvollziehbar. So kostet in der Zone II ein 2-Stunden-Ticket zwei Euro und ein 3-Stunden-Ticket vier Euro.

Was positiv auffiel 

• Die Abstände der insgesamt 300 Automaten seien überschaubar. Auch Ortsfremde erkennen beim Defekt eines Geräts sofort, wo der nächste Automat steht. Dies liegt auch daran, dass alle durch Schilder gekennzeichnet sind.

• Die Taktung der Parkzeiten sei etwas verbessert worden. So ist es etwa möglich, auch für 45 Minuten ein Parkticket zu kaufen. Denn ab einer halben Stunde gilt in der Zone Zentrum der Viertelstundentakt. In Zone II bleibt es beim Halbstundentakt.

• In den Parkhäusern bleiben die Tarife stabil. Damit gebe es eine Ausweichmöglichkeit für günstigeres Parken. Wenn man nicht wolle, dass die Menschen die Stadt meiden, solle dies bis auf Weiteres so bleiben, sagte Herda.

Von Bastian Ludwig

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