Kult-Motorräder von Ernst Neumann-Neander im Technikmuseum

Kassel. Er war Künstler und hat zeitlos schöne Motorräder konstruiert. Eine Ausstellung im Technikmuseum Kassel widmet sich einem Genie, das in seiner Geburtsstadt kaum bekannt ist.

Ernst Neumann, der später den Künstlernamen Neander annahm, kam 1871 in Kassel zur Welt, hat angeblich schon als Kind Dampfmaschinen gebaut, an der Kunsthochschule studiert und bis 1954 ein faszinierendes Leben geführt.

„Wir sind stolz, dass einen Teil seines Schaffens in Kassel präsentieren zu können“, sagt Bernd Scott vom Vorstand des Technikmuseums. Am kommenden Samstag, 12. Mai, wird die Ausstellung eröffnet. Die hat gute Voraussetzungen, Technik- und Kunstfreunde gleichermaßen anzusprechen. Unter anderem ist das damals schnellste Motorrad der Welt zu sehen: Es ist eine frühe Aluminiumkonstruktion, ein leichter Rahmen mit einem leistungsfähigen Motor. Der Rennfahrer Leon Lismonde stellte auf einem Neander-Motorrad 1928 mit einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 200 Kilometern pro Stunde einen Weltrekord auf. 

Der Produktname Neander könnte heute so bekannt sein wie BMW und Porsche. „Das war Spitzentechnologie, die bei Opel auf großes Interesse stieß“, sagt Bernd Scott. Vier Prototypen von Opel-Motorrädern wurden hergestellt, dann kam das Aus.

Bilder von den historischen Maschinen

Ausstellung seltener alter Motorräder im Technikmuseum Kassel

Schon damals gehörte Opel zu General Motors. Der amerikanische Mutterkonzern hatte kein Interesse an den Motorrädern, die Produktion wurde eingestellt. Ernst Neumann-Neander gründete in Euskirchen und wenig später in Düren eigene Motorrad-Firmen, die allerdings bald Konkurs anmelden mussten.

Im Technikmuseum sind 16 seltene Originalfahrzeuge zu sehen. Es handelt sich um Motorräder, „Fahrmaschinen“ (so nannte Neander seine zigarrenförmigen Rennwagen) und eine Motorkatze mit kleinem Hinterrad und einem sehr großen Vorderrad. Diese Exponate gehören dem privaten Sammler Thomas Trapp, der sie dem Technikmuseum zur Verfügung gestellt hat.

Ein zweiter Schwerpunkt der Ausstellung sind die Grafiken, Gemälde und Plakatentwürfe Neanders. Der war bis 1919 Professor für Plakatkunst in Berlin. Seine Karosserieentwürfe prägten die Automode der 1920er-Jahre. Einige Originale und eine Vielzahl interessanter Reproduktionen sind im Technikmuseum an einem besonderen Orts zu sehen. „Wir zeigen sie in einem Original-Transrapid“, sagt Bernd Scott.

Von Thomas Siemon

Rubriklistenbild: © Malmus

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