Konzern stellt hochpräzise Kunststoffteile her

Technoform sucht neuen Miteigentümer

Matteo Dolcera
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Matteo Dolcera, Holding-Geschäftsführer

Rein rechnerisch kann die Technoform-Gruppe ihre Produktion 25-mal um den ganzen Globus wickeln: Ihre Unternehmen mit 1500 Beschäftigten stellen Kunststoffprofile und -rohre her – mehr als eine Milliarde Meter im Jahr.

Kassel – Rein rechnerisch kann die Technoform-Gruppe ihre Produktion 25-mal um den ganzen Globus wickeln: Ihre Unternehmen mit 1500 Beschäftigten stellen Kunststoffprofile und -rohre her – mehr als eine Milliarde Meter im Jahr. Die schlicht aussehenden Teile mit ausgeklügelter Materialzusammensetzung halten die Scheiben mit Thermoverglasung auf Abstand zueinander, trennen die Aluminiumrahmen in Fenstern und Türen und lassen die Schiebedächer von Autos auf Schienen gleiten. Technoform-Rohre stecken in Wärmetauschern, die unter anderem in Rauchgasanlagen und in Meerwasserentsalzungsanlagen eingesetzt werden. Ihr Material muss, je nach Einsatz, gasdicht sein, aggressive Chemikalien und UV-Strahlung abkönnen, darf nicht ausdünsten und soll lange halten.

„Wir haben uns gefragt: Wo kann Kunststoff überall helfen“, umreißt Matteo Dolcera, einer der vier Geschäftsführer der Kasseler Konzernmutter Caprano + Brunnhofer GmbH, die Überlegungen für die Geschäftsfelder. Die Antwort: Das Profil der Nordhessen erweist sich auch beim Topthema Klimawandel als gewinnbringend. Wenn Energie gespart und der CO2-Ausstoß sinken soll, dürfen Fenster aus Isolierglas keine wertvolle Wärme entweichen lassen und müssen Wärmetauscher Energie möglichst ohne Verlust weiterleiten. Dass Kunststoff weniger wiegt als Stahl, macht ihn für den Fahrzeug- und Flugzeugbau interessant – Leichtgewichte senken den Treibstoffverbrauch.

Rund 50 000 Tonnen Kunststoffgranulat verarbeiten die 14 weltweit verteilten Technoform-Werke im Jahr zu Rohren und filigranen Profilen, bei denen nahezu jede Geometrie möglich ist. Sie entstehen mit der Extrusionstechnik: Das zu zäher Masse geschmolzene Material wird nicht gegossen, sondern in langen Strängen durch Formen hindurchgezogen, die aus dem hauseigenen Werkzeugbau in Kassel stammen. Die Maße der Technoform-Produkte müssen auf 500stel Millimeter genau stimmen.

Das 1969 gegründete Familienunternehmen ist zu einer Gruppe gewachsen, deren Töchter weitgehend selbstständig in ihren Märkten arbeiten. So können sie am schnellsten auf lokale Anforderungen reagieren, sagt Dolcera: „90 Prozent unserer Produkte für die thermische Trennung in Aluminiumrahmen sind kundenspezifisch“.

Größter Markt für Technoform ist inzwischen China. Doch Deutschland bleibt wichtig, nicht nur als Absatzgebiet, sagt Technoform-Geschäftsführer Thomas Wedekind. „Viele technologische Trends entstehen hier. Und Deutschland heißt für uns Kassel.“ In der Stadt hat das Unternehmen 25 Millionen Euro in einem neuen Werk verbaut, beschäftigt in der Region Kassel knapp 800 Mitarbeiter. Gearbeitet wird rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche, die Auftragsbücher sind so voll, dass sich Lieferzeiten verlängern. Das Corona-Jahr 2020 schloss der Konzern mit einem Umsatz von 371 Millionen Euro und einem Überschuss von 41,2 Millionen Euro ab.

Dolcera und Wedekind bilden mit Thorsten Siodla und Guido Faré seit Anfang des Monats das neue Führungsteam der Konzernmutter. Alle arbeiten seit Jahrzehnten bei Technoform – und suchen nun gemeinsam mit den Gesellschaftern einen neuen Mehrheitseigner. Andreas Caprano, Sohn des Firmen-Mitgründers, hat die Geschäftsführung abgegeben, die Anteile seiner Familie stehen zum Verkauf. Die Familie Brunnhofer will laut Technoform an ihrer Beteiligung festhalten. „Wir haben keinen Zeitdruck“, sagt Dolcera zur Investorensuche. „Es geht uns um Kontinuität.“ (Barabara Will)

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