57 der 200 Arbeitsplätze gerettet

Teil der GE Grid-Produktion bleibt erhalten

Der Kasseler GE Grid-Standort an der Lilienthalstraße
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Ein Teil der von einer Schließung bedrohten Produktion des Kasseler GE Grid-Standortes bleibt erhalten. 57 der 200 dortigen Arbeitsplätze sind gerettet.

Ein Teil der Belegschaft des Kasseler Energietechnik-Herstellers GE Grid kann aufatmen: 57 der 200 bedrohten Arbeitsplätze in der Produktion des zum US-amerikanischen Mischkonzern General Electric (GE) gehörenden Werkes konnten gerettet werden.

Kassel - Der Service-Bereich mit 100 Mitarbeitern bleibt ebenso erhalten. Wie der Betriebsratsvorsitzende Benjamin Heinicke und Standortleiter Carsten Willius am Montag mitteilten, wird der Betrieb an der Lilienthalstraße zu einem Kompetenzzentrum für die Hybridschaltanlage Hypact (siehe Hintergrund). Entwicklung, Fertigung und Vertrieb der kompakten Schaltgerätekombination werden künftig komplett von Kassel aus abgewickelt. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal unseres Standortes, das uns im gesamten Konzern abhebt“, sagt Willius. Eingestellt wird hingegen die Produktion von Leistungsschaltern und Messwandlern. Willius zufolge wird sie vorwiegend nach Asien und Italien verlegt.

Der Stellenabbau solle „so sozialverträglich wie möglich“ vonstatten gehen, betont Willius. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht ausgeschlossen, sollten aber auf ein Minimum reduziert werden. „Wir hoffen, so viele Stellen wie möglich über Altersteilzeit, Freiwilligenprogramme und den Wechsel in Transfergesellschaften abbauen zu können“, so der Standortleiter.

Die rund 300 Mitarbeiter waren schon am Freitag über die Pläne informiert worden. „Es gab Betroffenheit und Freude“, sagt Heinicke. Die Hoffnung sei, GE Grid mit der Restrukturierung langfristig in ruhigeres Fahrwasser manövrieren und die verbleibenden Arbeitsplätze dauerhaft sichern zu können. Erste Gespräche mit den etwa 140 vom Abbau betroffenen Mitarbeitern laufen dem Betriebsratsvorsitzenden zufolge bereits.

Mit der Entscheidung für den Kasseler Standort endet ein seit Monaten währender Kampf, bei dem GE Grid breite Unterstützung aus Politik und Wirtschaft erhalten hatte. „Wir haben es geschafft, mit einem nachhaltigen und zukunftsfähigen Konzept zu überzeugen und mit dem Standort eine langjährige Tradition in Kassel zu erhalten“, sagt Willius mit Blick auf die lange Geschichte des ehemaligen AEG-Werks.

Geplant sei eine Erweiterung der Produktpalette im Hypact-Segment, um neue Marktanteile etwa im Bereich der Windenergie zu erschließen. „Damit gestalten wir auch die Energiewende in Deutschland mit“, sagt der Standortleiter.

Um die Wirtschaftlichkeit zu fördern, wird sich GE Grid verkleinern. Laut Willius sollen das Verwaltungsgebäude und eine angeschlossene Halle verkauft werden. In den drei verbleibenden Gebäuden sollten Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Service näher zusammenrücken, um so auch Synergieeffekte besser nutzen zu können.

Hintergrund

In einer Schaltanlage wird elektrische Energie verteilt. Mit der Hybridschaltanlage Hypact entwickelt und fertigt der Kasseler GE Grid-Standort eine für Freiluftanwendungen konzipierte, modulare und kompakte Schaltgerätekombination. In den Hypact-Modulen sind Leistungsschalter sowie Trenn- und Erdungsschalter in einer gasdicht gekapselten Schaltanlage vereint. Die kompakte Bauweise der Schaltanlage kann im Vergleich zur konventionellen Freiluft-Technologie bis zu 50 Prozent an Fläche einsparen. Die Gasisolierung schützt das Kontaktsystem vor Umwelteinflüssen wie Regen, Schnee, Eis und Salz sowie vor industrieller Verschmutzung. Die gekapselte Ausführung erhöht somit die Betriebszuverlässigkeit und Sicherheit bei hohen Umweltanforderungen. 

Von Nicole Schippers

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