Auch zweite Rad-Demo gegen A 49 findet statt

A49: Darum dürfen die Ausbaugegner erneut auf der Autobahn radfahren

Für sie wird die A 49 auch diesen Samstag wieder gesperrt: Teilnehmer der Rad-Demo vorigen Samstag zwischen den Anschlussstellen Wabern und Borken. Statt der erwarteten 3000 bis 5000 Menschen radelten nur 150 mit. 
Archivfoto: Peter Zerhau
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Für sie wird die A 49 auch diesen Samstag wieder gesperrt: Teilnehmer der Rad-Demo vorigen Samstag zwischen den Anschlussstellen Wabern und Borken. Statt der erwarteten 3000 bis 5000 Menschen radelten nur 150 mit.

Statt 5000 Teilnehmern kam voriges Wochenende nur 150 Menschen zur Rad-Demo gegen die A49. Trotzdem wird am Samstag erneut auf der Autobahn geradelt.

Kassel – Auch am nächsten Samstag wird wieder auf der A 49 geradelt. Wie bereits am vorigen Wochenende wollen die Teilnehmer der Rad-Demo gegen den Weiterbau der seit Jahren geplanten und längst genehmigten Autobahn demonstrieren. Vorigen Samstag fuhren statt der erwarteten 5000 Teilnehmer jedoch nur 150 Menschen von Kassel bis zum Dannenröder Forst bei Homberg (Ohm). Auch deshalb haben viele Menschen wenig Verständnis für die ungewöhnliche Form des Protests. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Haben die Organisatoren beim Antrag ihrer Rad-Demo tatsächlich 3000 bis 5000 erwartete Teilnehmer angegeben?

Ja, aber offensichtlich haben sie selbst nicht an die Zahl geglaubt. „Wir haben die Zahl extra so hoch angesetzt, um die Demo durchzuboxen“, sagt einer der Organisatoren, der unter dem Pseudonym Rumo mit Journalisten spricht. Der 24-Jährige hatte mit seinen Mitstreitern „gar nicht damit gerechnet, dass es beim ersten Mal durchgeht“. Parallel hatten sie schon eine Klage gegen ein Verbot vorbereitet. Doch das Kasseler Regierungspräsidium gab sofort grünes Licht.

Warum wurde die Demonstration überhaupt genehmigt?

Sie wurde gar nicht genehmigt, sondern nur nicht untersagt, wie RP-Sprecherin Katrin Walmanns klarstellt. Weil die Versammlungsfreiheit in Deutschland ein hohes Gut ist, können Veranstalter Art, Dauer, Zeitpunkt und Ort selbst bestimmen. Eine Untersagung ist laut Walmanns „nicht so einfach“. Gleichwohl hat das RP die Demo eingeschränkt. Die Teilnehmer dürften nicht wie geplant in Kassel, sondern erst in Gudensberg auf die A 49 fahren. Ursprünglich sollte die Demo zudem auch an einem Tag unter der Woche stattfinden. Das wurde ebenfalls verboten. Die erwartete Teilnehmerzahl ist laut Walmanns kein Kriterium: „Theoretisch ist so eine Veranstaltung auch mit zehn Teilnehmern möglich.“ Darum ist es unerheblich, ob an diesem Samstag wieder nur 150 radeln oder 5000.

Darf jetzt jeder auf der Autobahn demonstrieren?

Nein, versichert RP-Sprecherin Walmanns: „Eine Demo auf einer Autobahn ist eine absolute Ausnahme und unterliegt einer umfangreichen Interessenabwägung.“ Mitentscheidend sei in diesem Fall der Bezug zum Rückbau. Die Demonstranten fordern nicht nur einen Baustopp. Sie wollen auch, dass aus der bestehenden A 49 ein Radschnellweg wird. „Wäre die Demo unter der Überschrift Klimaschutz gelaufen, hätte die Autobahn nicht als Veranstaltungsort gewählt werden dürfen“, sagt Walmanns.

Welche Reaktionen erhielten die Demonstranten?

Sehr unterschiedliche. Laut Mitorganisator Rumo streckten ihnen auf der Gegenfahrbahn viele Autofahrer den Mittelfinger entgegen. Dorfbewohner fragten die Protestler, ob ihnen die lärmgeplagten Anwohner der Bundesstraße 3 egal seien. Andernorts erhielten sie Unterstützung. An diesem Samstag müssen die Radler bereits in Borken abfahren. Die Anschlussstelle Bischhausen wird ab dem Wochenende bis zum Sommer 2021 wegen Bauarbeiten für den Lückenschluss gesperrt.

Wie machen sie nach der Rad-Demo weiter?

Sie warten auf die Rodung des Dannenröder Forsts. Dort beteiligt sich Rumo bereits seit September 2019 am Protest im Hüttendorf. Das Waldstück ist für ihn zu einem Symbol geworden wie der Hambacher Forst im Rheinischen Braunkohlerevier. Ab dem 1. Oktober können die ersten Bäume fallen. Zuvor muss die Polizei jedoch das Hüttendorf räumen. „Unser Widerstand wird groß sein“, kündigt Rumo an. Gewalttätige Aktionen will er nicht ausschließen. Im „Danni“, wie das Waldstück genannt wird, wird es wohl ein heißer Herbst.

Start der Rad-Demo: Samstag, 9.30 Uhr, Hauptbahnhof Kassel.

Von Matthias Lohr

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