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Kein Anschluss in diesem Häuschen: In Kassel gibt es nur noch wenige Telefonzellen

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Von: Katja Rudolph

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Umgenutzt: Mila und Frieda Zubcic haben die tote Telefonzelle Friedenskirche gemütlich eingerichtet.
Umgenutzt: Mila und Frieda Zubcic haben die tote Telefonzelle Friedenskirche gemütlich eingerichtet. © Rudolph, Katja

Weil öffentliche Telefone kaum noch genutzt werden, hat die Telekom viele Standorte stillgelegt. Auch in Kassel gibt es nur noch wenige Telefonzellen.

Kassel – Funktionierende Telefonzellen werden in Kassel zur Rarität: Die Telekom dünnt ihr Netz öffentlicher Telefone deutschlandweit aus. Zuletzt sind unter anderem im Vorderen Westen an der Haltestelle Friedenskirche und am Bebelplatz die Apparate aus den Kabinen entfernt worden. An vielen anderen Standorten in der Stadt sind die Telefonzellen schon länger tot oder ganz verschwunden.

Wie viele Telefonzellen es in Kassel aktuell gibt und wie viele zuletzt stillgelegt wurden, ist von der Telekom nicht zu erfahren. Auf HNA-Anfrage teilte Sprecher George-Stephen McKinney mit: „Wir halten diese Zahlen für die externe Kommunikation nicht vor.“ Bundesweit betreibe die Telekom noch rund 12.000 öffentliche Telefone. Zum Vergleich: 2019 gab es noch 17.000 öffentliche Münz- und Kartentelefonstellen, wie sie beim Statistischen Bundesamt heißen. Das entspricht einem Rückgang von knapp 30 Prozent innerhalb von drei Jahren. 2006 gab es deutschlandweit sogar noch 110.000 Telefonhäuschen.

Etwas präzisere Auskunft zur Zahl der Kasseler Telefonzellen gibt es auf HNA-Anfrage aus dem Rathaus. Demnach waren Anfang 2019 noch 41 Standorte im Stadtgebiet in Betrieb. Zwischen Telekom und Stadt besteht eine Grundsatzvereinbarung, nach der die Telekom öffentliche Telekommunikationsstellen auf öffentlichen Verkehrsflächen aufstellen und betreiben darf, teilte eine Stadtsprecher mit. „Wegen wiederholter Rückbauten“ seien die genauen Zahlen und Standorte aber nur der Telekom bekannt.

Telefonzellen in Kassel nur noch an Orten mit viel Publikumsverkehr

Vorausgesetzt, der bundesweite Rückgang betrifft Kassel im selben Ausmaß, müsste es also noch knapp 30 betriebsbereite öffentliche Telefone in der Stadt geben. Vor allem an Orten mit viel Publikumsverkehr und Reisenden sind noch Apparate vorhanden: etwa am Bahnhof Wilhelmshöhe, am Kulturbahnhof und in der Innenstadt. Oftmals handelt es sich dabei nicht mehr um Telefonzellen, sondern um Telefonstelen ohne Häuschen drumherum.

Ausgedient: die Telefonzelle an der Kirchweg-Kreuzung. Am Asia-Imbiss gegenüber gibt es aber eine Stele.
Ausgedient: die Telefonzelle an der Kirchweg-Kreuzung. Am Asia-Imbiss gegenüber gibt es aber eine Telefonstele. © Rudolph, Katja

Der Grund für den radikalen Abbau in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten liegt auf der Hand – beziehungsweise steckt er in der Hosentasche: Fast jeder hat inzwischen ein Handy dabei, womit auch unterwegs jederzeit telefoniert werden kann. „Der Kunde ist der Architekt des Netzes“, formuliert es der Telekomsprecher. „Die Kundinnen und Kunden nutzen die öffentlichen Telefone nicht, deshalb verschwinden sie.“ Alles andere wäre unsinnig, sagt McKinney: „Die Telefone verbrauchen (unnötig) Strom und verursachen Wartungskosten oder werden durch Vandalismus beschädigt.“

Telefonzellen in Kassel: Viele Münzfernsprecher sind unwirtschaftlich

Noch 2019 hatte die Telekom einen Mindestumsatz von 50 Euro im Monat kommuniziert, der einer Telefonzelle sozusagen das Überleben sicherte. Unterhalb dieses Ertrags galt ein Standort als unwirtschaftlich. Diese Zahl sei inzwischen überholt, „da nicht mehr kostendeckend“, teilte der Sprecher auf Nachfrage mit, ohne Details zu nennen. Für eine Bleibeperspektive muss eine Telefonzelle inzwischen also weit mehr als 50 Euro bringen.

Nach den weiteren Rückbauplänen für Kassel gefragt, gab der Telekomsprecher ebenfalls keine konkrete Auskunft. „Den Auftrag für den Abbau geben wir an externe Dienstleister, die ihre eigene Umsetzungsplanung haben“, hieß es lediglich. Was die Telekom aber mitteilt: Die Telefonhäuschen und Edelstahl-Stelen würden nach dem Abbau „fachgerecht entsorgt, recycelt oder zum Kauf angeboten, sofern sie noch in einem guten Zustand sind.“ Wer ein Exemplar erwerben möchte, kann sich per E-Mail bei info@telekom.de informieren.

Telekom: Endgültiges Aus für Münzfernsprecher am 21. November 2022

Gelb sind sie seit Jahren nicht mehr und junge Menschen kennen sie eigentlich kaum: Die Rede ist von Telefonzellen. Nach 142 Jahren ist in Deutschland bald endgültig Schluss mit ihnen. Die Deutsche Telekom schaltet ihre letzten öffentlichen Telefone ab. Nur noch bis Montag, 21.11.2022, kann an den rund 12.000 verbliebenen Fernsprechern mit Geld telefoniert werden. Dann wird laut Telekom bundesweit die Münzzahlung deaktiviert. „Ab Ende Januar wird dann auch die Zahlungsfunktion mittels Telefonkarten und somit der gesamte Telekommunikationsdienst an den Telefonsäulen bzw. -häuschen eingestellt.“ Bis die letzten dieser Stelen abgebaut sind, wird nach Unternehmensangaben wohl 2025 sein.

Gelbe Telefonzellen gibt es schon länger nicht mehr

Der Artikel erschien erstmals am 12. Oktober 2022 in der HNA.

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