Kunden ärgern sich über Vertragsgespräche in Corona-Zeiten

Telekom hält trotz Kontaktbeschränkungen an Haustürgeschäft fest

Hausbesuche sind derzeit weniger willkommen: Wegen der Corona-Pandemie wünschen sich viele Menschen möglichst wenige Kontakte mit Handwerkern und Servicemitarbeitern.
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Hausbesuche sind derzeit weniger willkommen: Wegen der Corona-Pandemie wünschen sich viele Menschen möglichst wenige Kontakte mit Handwerkern und Servicemitarbeitern.

In der Corona-Pandemie lautet die Maßgabe der Politik, die Kontakte soweit wie möglich zu reduzieren. Deshalb hat es bereits einige HNA-Leser irritiert, warum etwa Mitarbeiter der Telekom und der Städtischen Werke nicht auf derzeit scheinbar vermeidbare Hausbesuche verzichten.

Kassel - Hier ein Überblick darüber, für welche Arbeiten wirklich Servicemitarbeiter ins Haus gelassen werden sollten.

Telekom

Der Kasseler Architekt Friedhelm Schmidt ist wirklich sauer. Vergangene Woche klingelte ein Vertriebsmitarbeiter im Auftrag der Telekom bei seinem Büro an der Friedrichstraße. Der Mann gab zunächst vor, er müsse die Telefonleitungen überprüfen, erzählt Schmidt. Tatsächlich habe er sich aber ins Büro gesetzt und ganz offensichtlich keine Prüfung vorgenommen. Stattdessen habe er einen neuen Vertrag verkaufen wollen.

„Ich finde das ein Unding. Wir halten unser Büro hier unter Corona-Bedingungen am Laufen und die Telekom schickt Leute, die einem neue Verträge aufschwatzen wollen. So etwas ist doch wirklich verzichtbar in diesen Tagen“, sagt Schmidt. Für wichtige unaufschiebbare Arbeiten habe er Verständnis, aber nicht für solche unangekündigten Haustürgeschäfte.

Auf HNA-Anfrage bestätigt ein Telekom-Sprecher, dass es sich um einen Mitarbeiter ihres Vertriebspartners gehandelt habe. Für problematisch hält die Telekom derartige Besuche auch in Corona-Zeiten nicht: „Der Wunsch von Bürgerinnen und Bürgern, zu Hause beraten zu werden, ist nach wie vor signifikant und macht für viele Kunden auch Sinn“, so der Sprecher weiter.

Denn so könne etwa ein „funktionierendes Homeoffice“ gewährleistet werden. Alle Mitarbeiter seien mit Masken, Desinfektionsmitteln und Handschuhen ausgestattet. Selbstverständlich bleibe es die Entscheidung des Kunden, ob die Haustür geöffnet werde.

Das konkrete Vorgehen des Mitarbeiters sei – mit Blick auf den Vorwand einer Leitungsprüfung – aber dennoch zu beanstanden. „Der Kundenangang, wie er bei Herrn Schmidt durchgeführt wurde, war nicht korrekt. Das Qualitätsmanagement hat das Thema übernommen und wird entsprechend nachschulen“, sagt der Telekom-Sprecher.

Städtische Werke

Bei den Städtischen Werken fänden eine Zählerablesung und ein Zähleraustausch derzeit nur statt, wenn sich ein direkter Kundenkontakt vermeiden lasse, so ein Sprecher des Unternehmens. Dies sei etwa dann der Fall, wenn sich die Zähler im Keller befänden.

In die Wohnung gingen die Kollegen derzeit nicht. Einzige Ausnahme: Es liege ein gravierendes Problem vor. Sprich, Zähler seien nicht bloß veraltet, sondern kaputt oder der Strom sei aufgrund eines technischen Schadens ausgefallen.

Umso mehr war ein 67-jähriger Kunde irritiert, der im Ortsteil Kaufungen-Papierfabrik wohnt. Er hatte Post von den Städtischen Werken erhalten. Darin war zu lesen, dass in den nächsten Tagen in seinem Einfamilienhaus der alte Stromzähler ausgetauscht werden müsste. Eine Fremdfirma (ALS Service GmbH) werde die Arbeiten erledigen. „Ich gehöre zur Risikogruppe und wollte das nicht. Solche Arbeiten sind doch aufschiebbar. Der Zähler funktioniert ja noch – er ist eben nur analog, nicht digital“, erzählt der Mann. Also habe er die Firma ALS angerufen und den Austausch auf einen späteren Zeitpunkt verschieben können. Es ärgert ihn, wenn derzeit unnötige Hausbesuche angekündigt werden.

Der Sprecher der Städtischen Werke erklärt, im konkreten Fall habe es sich um einen „Austausch auf gesetzlicher Basis“ gehandelt. Der Zähler gehöre zu einer Gruppe von Zählern, die ihre Eichgültigkeit verloren hätten. „Der Wechsel erfolgt nicht, weil wir das wünschen, sondern er ist gesetzlich durch das Messstellenbetriebsgesetz vorgeschrieben“, so der Sprecher.

Schornsteinfeger

Michael Maurer, Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Kassel, kennt die Sorgen seiner Kunden: „Gerade am Anfang kamen viele Fragen nach dem Motto: Alle bleiben zu Hause, nur die Schornsteinfeger gehen von Haus zu Haus?“, erzählt er. Die Arbeit der Schornsteinfeger gehöre aber zur Daseinsfürsorge. Dies habe das Hessische Wirtschaftsministerium festgelegt. Insofern es sich um „gefahrenrelevante Anlagen“ handele, müssten entsprechende Arbeiten trotz Corona-Krise erledigt werden.

„Wir sind aber gerade bei verunsicherten und verängstigten Eigentümern gehalten, sensibel vorzugehen. Deshalb haben wir auch FFP2-Masken in den Betrieben ausgegeben. Es geht heute kein Schornsteinfeger mehr ohne Maske raus“, sagt Maurer.

Einige Arbeiten der Schornsteinfeger ließen sich auch aufschieben – allerdings gelte dies nur für einen begrenzten Zeitraum. (Bastian Ludwig)

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