Ex-Hurrikan „Bertha“ hat Wetterlage durcheinandergewirbelt

Temperatur-Sommerloch: Tiefs sorgen für weihnachtlichen August

Der Sommer, der ein Winter ist: Mit Mütze, Strickjacke, Thermostrumpfhose, Stiefeln und heißem Tee – HNA-Volontärin Melanie Triesch in Herbststimmung. Der Außenbereich der Orangerie bleibt bei diesen Temperaturen wie leer gefegt. Foto: Koch

Kassel. Brr! Ist das kalt. Frühherbst statt Hochsommer, Regenjacke, Stiefel und Heizkissen statt Bikini, Sandalen und Sonnencreme – dieser August ist fast so kalt wie die vergangene Weihnacht. Viele Menschen fragen sich: Was ist bloß mit dem Wetter los?

Momentan hat man den Eindruck, dass August und September ausgefallen sind und es direkt mit dem Oktober weitergeht.

In einem Vorzeige-Sommer wären momentan die Hundstage: 32 Grad, volle Schwimmbäder und großer Andrang vor den Eisdielen. Vor zwei Jahren hatten wir um diese Zeit fast 40 Grad in Deutschland. Damals gab es eine Hitzewelle. Davon sind wir dieses Jahr weit entfernt. Stattdessen lagen die Frühwerte in dieser Woche teilweise bei unter fünf Grad Celsius und in etlichen Haushalten sprang sogar schon die Heizung an.

Zwei Tiefs sind schuld

Die Übeltäter sind „Wilma“ und „Bertha“. Tief Wilma schaufelt kalte Meeresluft aus Norwegen zu uns nach Deutschland. Und Bertha sorgt für Unordnung. „Der Ex-Hurrikan hat die Großwetterlage völlig durcheinandergewirbelt“, erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung von Wetter.net. „War es zuvor wochenlang ein wirklich tropischer Sommer mit viel schwüler Luft und heftigen Gewittern mit Starkregen, so wurde diese Großwetterlage durch Bertha abrupt beendet.“

Noch hat der August zehn Tage, um temperaturmäßig zuzulegen, doch auch für die nächsten Tage ist kein Anstieg in Sicht. Jungs Prognose: Ganz Mitteleuropa bleibt in den kommenden Tagen in einem wahren Temperatur-Sommerloch stecken.

Dominik Jung

Dies bestätigt auch der Diplom-Meteorologe Jürgen Schmidt, Geschäftsführer von Wetterkontor.de: „Es bleibt wechselhaft und mit maximal 18 Grad auch sehr kühl. Die Nächte sind aber nicht mehr ganz so frisch, da mehr Wolken am Himmel sind. In der kommenden Woche steigen die Temperaturen dann etwas an, und die 20-Grad-Marke wird wieder überschritten. Allerdings bleibt es wechselhaft mit weiteren Schauern und Gewittern.“ Stabiles Hochdruckwetter sei also vorerst nicht in Sicht.

Der August bleibt wohl ein Flop. Zum Vergleich: Letzte Weihnachten war es mit 12 Grad nur fünf Grad kühler als jetzt. Gestern wurden 17 Grad als Höchstwert gemessen.

Bislang hat der der August eine Durchschnittstemperatur von 18,3 Grad, sagt Michael Tiefgrabe vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Das sei sogar 0,4 Grad wärmer als das langjährige Mittel. Im Jahrhundertsommer 2003 lag der Temperatur-Mittelwert bei 24,2 Grad.

„Statistisch gesehen ist der August deutschlandweit bisher sogar noch etwas zu warm“, sagt auch Dominik Jung. „Das dürfte sich aber in den kommenden Tagen ändern.“ Dann könnte es, so die Prognose, unter dem Strich der erste zu kühle August seit acht Jahren werden.

Von Melanie Triesch

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