Abfall soll stärker getrennt werden – die Kasseler sind dazu laut einer Umfrage bereit

Tendenz: Bald mehr Tonnen

Sammeln für den Kompost: 52 Prozent der Kasseler Grundstücke haben derzeit eine Biotonne. Die Stadtreiniger wollen die Quote erhöhen und denken über finanzielle Anreize bei den Müllgebühren nach. Foto:  Fischer

Kassel. Abfallgebühren sind aus Bürgersicht immer ein sensibles Thema. Wegen neuer Gesetze muss die Stadt Kassel ihre Abfallsatzung ändern und mehr Mülltrennung organisieren. Das wird auf jeden Fall auch Auswirkungen auf die Gebührenstruktur haben.

Auf dem Weg dorthin setzen Stadt und Stadtreiniger auf Bürgerbeteiligung, um Akzeptanz für die Änderungen zu schaffen. Sie bieten regelmäßige Diskussionsforen an, doch naturgemäß macht nur ein kleiner Teil der Einwohner dabei mit. Um auch die Meinung der schweigenden Mehrheit zu erkunden, haben die Stadtreiniger eine repräsentative Telefon-Umfrage unter 400 Kasseler Haushalten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse stellte Betriebsleiter Gerhard Halm bei einer Tagung am Wochenende vor.

Kritik: Noch nicht ausgereift

Sein Resümee: „Die Kasseler sind durchaus bereit, ihren Abfall stärker zu trennen.“ Viele würden allerdings meinen, dass die Verwertung von Rohstoffen im Abfall technisch noch nicht besonders ausgereift sei.

Während es durchweg gute Noten für die Entsorgung von Papier- und Biomüll gibt, ist jeder Vierte laut Umfrage nicht überzeugt vom Gelben Sack. Eine Mehrheit würde es befürworten, wenn er durch eine Wertstofftonne ersetzt würde (siehe Artikel links). Wie breit die Zustimmung für so ein neues Sammelsystem letztlich wäre, hängt davon ab, ob die Abfallgebühren steigen würden und in welcher Höhe.

Die Biotonne wird bereits von zwei Dritteln aller Befragten genutzt. Die meisten anderen geben an, organische Abfälle selbst zu kompostieren. Bisher steht auf der Hälfte aller Kasseler Grundstücke eine Biotonne. Laut Gerhard Halm denken die Stadtreiniger darüber nach, die Entscheidung dafür durch finanzielle Anreize zu fördern. Künftig werde vermehrt kontrolliert, ob irgendwo auffällig hohe organische Anteile in der Restmülltonne sind. Halm: „Wenn jemand argumentiert, er brauche die Tonne nicht, weil kein Bioabfall anfällt, dann glauben wir das nicht ohne Weiteres.“

Es müsse aber weiterhin möglich sein, bei Eigenkompostierung auf eine Biotonne verzichten zu können. „Wir dürfen es nicht bestrafen, wenn sich jemand ökologisch vernünftig verhält“, sagt der Betriebsleiter der Stadtreiniger.

Um hygienischen Vorbehalten gegen die Biotonne zu begegnen, überlegen die städtischen Entsorger laut Gerhard Halm, die Gefäße einmal jährlich waschen zu lassen. Man habe diese Dienstleistung ausgeschrieben, um zu sehen, was dies kosten würde.

Auf 43 Prozent aller Kasseler Grundstücke steht eine haushaltsnahe Papiertonne. Umfrageteilnehmer, die solche Gefäße nutzen, sind offenbar zufrieden und sprachen sich mit großer Mehrheit von 86 Prozent dafür aus, dieses System in der ganzen Stadt einzuführen. Zwei Drittel der Befragten, die in Einfamilienhäusern wohnen, plädierten hingegen für öffentliche Container-Standplätze. Offenbar gebe es Vorbehalte gegen eine weitere Tonne am Haus, interpretieren dies die Autoren der Befragung.

Von Axel Schwarz

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