Fachgeschäft an der Goethestraße

Tennisladen Trageser schließt zum Jahresende

Jeder Handgriff sitzt: Bernd Trageser bespannt einen Tennisschläger in zwanzig Minuten. Diesen Service nahmen schon ehemalige Stars wie Stefan Edberg und Jim Courier in Anspruch. Foto: Quanz

Kassel. Bernd Trageser weiß noch heute ganz genau mit welcher Saite der ehemalige Tennisstar Stefan Edberg aus Schweden spielte und mit welcher Härte der Schläger bespannt werden musste. Es war eine Darmsaite von Babolat, mit 24 zu 23 relativ weich bespannt.

Der Schläger war mit 400 Gramm aber deutlich der schwerste. „Es war für mich eine Ehre die Schläger von Tennisprofis bespannen zu dürfen“, sagt der 47-Jährige.

Für Tennisstars gearbeitet

Ob Andre Agassi, Jim Courier oder Rainer Schüttler, alle haben ihm schon einen Schläger in die Hand gedrückt und gebeten, diesen neu zu bespannen. „Dank guter Kontakte zu Firmen wussten diese, dass ich sehr gut im Schlägerbespannen bin“, sagt Trageser. Diese hätten ihn auch für internationale Turniere empfohlen. Und dort habe er dann die Möglichkeit gehabt, für Profis zu arbeiten. An diese Zeiten denkt er gerne zurück.

1991 war er eine Woche bei den German Open am Hamburger Rothenbaum beschäftigt und kümmerte sich um die Schläger der Stars. „Ich brauche 20 bis 25 Minuten für einen Schläger, dann hat er eine neue Bespannung“, sagt Bernd Trageser. Geübte Hobbybespanner brauchen 45 Minuten. Die Leidenschaft für den Sport hat auch seine Berufswahl beeinflusst. Der gebürtige Kasseler hat mit dem Verkaufen von Tennisschlägern im ehemaligen Sporthaus Kajulä angefangen. „20 Jahre habe ich dort gearbeitet, war für den Einkauf zuständig und habe die Tennisabteilung geleitet.“ 2003 eröffnete er dann an der Goethestraße seinen eigenen Tennisladen.

Doch für diesen sieht er nun keine Perspektive mehr. „Am Jahresende mache ich die Tür endgültig zu.“ Wie es für ihn und seine Frau Simone, mit der er im Laden zusammen arbeitete, weitergeht, weiß er noch nicht. Ein zweites Mal den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, kann er sich momentan jedoch nicht vorstellen.

Ein wesentlicher Grund, warum immer mehr Kunden ausgeblieben sind, ist für ihn die Baustelle in der Goethestraße. Oft hätten die Kunden keine Parkplätze gefunden oder sein Geschäft sei nur über Umwege zu erreichen gewesen. So schwer es ihm fällt, aber er müsse schließen. Und das vor dem zehnjährigen Bestehen im Februar 2013. Sein Tennisladen war Ausdruck und Teil seiner Leidenschaft für den Sport. Die Leidenschaft bei Bernd Trageser wird bleiben, nur seinen Laden schließt er in Kürze.

Von Florian Quanz

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