Ermittlung wegen Mordes an Halit Yozgat - Terrorzelle weiter unter Verdacht

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Tatort: In diesem Internet-Café an der Holländischen Straße wurde Halit Yozgat im April 2006 getötet.

Kassel. Es besteht weiter der dringende Tatverdacht, dass die rechtsextreme Zwickauer Terrorzelle NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) auch für den Mord an Halit Yozgat in der Kasseler Holländischen Straße am 6. April 2006 verantwortlich ist.

Die Ermittlungen, so ein Sprecher des Generalbundesanwalts gegenüber unserer Zeitung, laufen deshalb auf Hochtouren weiter.

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Dazu gehöre auch, dass das Umfeld der Tat untersucht werde. Zurzeit könne er nicht über konkrete Einzelheiten berichten, sagte der Sprecher. Man brauche noch etwas Geduld. In ein bis zwei Monaten könne man womöglich Konkretes präsentieren. Zu diesem Tatumfeld gehört offensichtlich auch Andreas T., ehemaliger Verfassungsschützer aus Hofgeismar. Er hatte sich zum Zeitpunkt des Mordes in Yozgats Internet-Café aufgehalten. Nach den Worten des Vaters des Opfers sei Andreas T. dort rund 50 Mal zu Gast gewesen, um Kaffee zu trinken und im Internet zu surfen.

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Bei der Polizei meldete sich der damalige Verfassungsschützer nicht als Zeuge. Er wurde ermittelt, befragt und wieder auf freien Fuß gesetzt. Er habe nichts mit dem Kasseler Mord und anderen Taten, die nun der NSU zugerechnet werden, zu tun, erklärte damals die Staatsanwaltschaft.

Allerdings wurde im Verfassungsausschuss des Bundestages festgestellt, dass Andreas T. eine „starke rechte Gesinnung“ habe, sagte der SPD-Ausschussvorsitzende Thomas Oppermann (Göttingen). Bei Andreas T. wurden in Hofgeismar unter anderem Kopien aus Hitlers „Mein Kampf“ gefunden – Jugendsünden, hieß es. Außerdem stellten die Fahnder illegale Munition in geringem Umfang fest. Andreas T. ist Sportschütze.

Als Mitarbeiter des Hessischen Verfassungsschutzes soll Andreas T. einen Agenten geführt haben, der Kontakt zur rechten Szene hatte.

Nach dem Kasseler Mord wurde der Hofgeismarer schließlich als Verfassungsschützer suspendiert und ins Kasseler Regierungspräsidium versetzt. Dort arbeitet er auch heute noch.

Von Frank Thonicke

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