Waggonbauer auch am legendären TEE beteiligt

Test für Henschel-Wegmann-Zug: Foto von 1935 zeigt erste Fahrt in Kassel

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Testfahrt in Rothenditmold im Frühjahr 1935: Der Henschel-Wegmann-Zug war mit einer Spitzengeschwindigkeit von 185 Stundenkilometern sehr flott unterwegs. Die Dampflok ist ganz rechts im Bild.

Kassel. Es war eine fruchtbare Kooperation zwischen zwei bekannten Kasseler Firmen. 1935 sorgte der für damalige Verhältnisse superschnelle Henschel-Wegmann-Zug für Aufsehen.

Der erreichte mit einer stromlinienförmigen Dampflok von Henschel und den Waggons von Wegmann eine Höchstgeschwindigkeit von 185 Stundenkilometern. Eines der ersten Fotos des fabrikneuen Zuges entstand bei einer Testfahrt im Frühjahr 1935 in Rothenditmold. Die Aufnahme hat uns Erhard Rininsland (78) zur Verfügung gestellt. Sein Vater Wilhelm war Ingenieur in der Konstruktionsabteilung von Wegmann. Er hat ein Fotoalbum mit außergewöhnlichen Einblicken in die Produktion des Waggonbauers hinterlassen.

Dazu gehören die Salonwagen, die bis in die 1970er-Jahre in Kassel gebaut wurden. Die Auftraggeber kamen aus Südafrika, Tunesien, Guinea, Skandinavien, Persien und Jugoslawien. Der Wagen für den kommunistischen Staatschef Tito gehörte ebenfalls in diese Reihe. Mit dem 1974 ausgelieferten Salonwagen für die Bundesregierung, dem sogenannten Kanzlerwagen (damals war Helmut Schmidt Kanzler), ging diese Entwicklung zu Ende.

Frühe Entwicklung: Aus den 1950er Jahren stammt dieser Elektrobus, der bei Wegmann hergestellt wurde.

Nach dem Krieg produzierte Wegmann zunächst ausschließlich zivile Produkte. Dazu gehört auch eine außergewöhnliche Konstruktion für die Sylter Inselbahn, die es bis 1970 gab. „Das war im Prinzip eine Kombination aus Lkw und Eisenbahn“, sagt Erhard Rininsland. Ein Verkaufsschlager wurde das Gefährt nicht. Das galt auch für einen frühen Elektrobus, der bei Wegmann ebenfalls in den 1950er-Jahren entwickelt wurde. Heute sind solche Überlegungen wieder aktuell.

Elegant im Zugbistro: So sah die 1956 bei Wegmann produzierte Bar in einem TEE aus. Um das ganze Bild zu sehen, klicken Sie oben rechts.

Auch die Speise- und Küchenwagen des Trans-Europ-Express (TEE) wurden bei Wegmann hergestellt. Der legendäre Zug fährt heute noch als Oldtimer.

Er verfügt ausschließlich über Wagen der 1. Klasse und bietet einen außergewöhnlichen Komfort. Als TEE Rheingold ist der Zug eine touristische Attraktion.

Eigenwillige Konstruktion: Ab 1950 fuhr auf der Insel Sylt diese Kombination aus Lkw auf Schienen und dem bei Wegmann gefertigten Waggon für die Fahrgäste.

Waggonbauer und Panzer

Die Kasseler Waggonfabrik Wegmann wurde 1882 gegründet. Ab 1917 produzierte die Firma Panzer. Im Zweiten Weltkrieg lieferte man Panzertürme für Henschel. Nach dem Krieg wurden zunächst Zugwaggons instandgesetzt und später auch gebaut. Bis Mitte der 1970er-Jahre baute Wegmann Erste-Klasse-Wagen, Speise- und Schlafwagen sowie Salonzüge. Seit 1999 gehört die Firma zum Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann.

In der ersten Folge haben wir Fotos vom Luxuszug für den Schah von Persien gezeigt, der unter strenger Geheimhaltung Ende der 1950er-Jahre ebenfalls bei Wegmann in Kassel gebaut wurde. 

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