Gewerkschaft will Sonderwagen für alle Polizeipräsidien in Hessen

Test in Kassel: Das kann der Polizeipanzer "Survivor R"

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Eine Fahrt auf der Teststrecke von Rheinmetall: Funktionäre der Gewerkschaft der Polizei informierten sich in dieser Woche in Kassel über den Polizeipanzer „Survivor R“, der auch Steigungen von bis zu 60 Prozent schafft.

Kassel. Sie sollen Polizisten bei Einsätzen mit Terroristen, Amokläufern und anderen schwer bewaffneten Gewalttätern schützen: technisch hochgerüstete und gepanzerten Sonderfahrzeuge.

Damit sollen Beamte sicher zu brisanten Einsatzorten gelangen, ohne vorher mit Kalaschnikows der Angreifer erschossen oder schwer verletzt zu werden, sagt Stefan Rüppel, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordhessen.

Die nordhessische GdP fordert deshalb, dass alle sieben Polizeipräsidien in Hessen mit jeweils solch einem gepanzerten Sonderwagen ausgestattet werden. Ein entsprechender Antrag soll beim Landesdelegiertentag der GdP im April in Marburg gestellt werden, kündigt Rüppel an.

Das kann der Polizeipanzer, so viel kostet er:

500.000 Euro kostet ein Polizei-Survivor in der Basisausstattung. Mit einer Reihe von Extras wie einer hermetischen Abriegelung gegen atomare, biologische und chemische Kampfstoffe, Nebelanlage, High-Tech-Kommunikations-Schnittstellen, Sensoren, Räumschild gegen Barrikaden und vielen anderen Besonderheiten können schnell auch zwei Mio. Euro je Fahrzeug zusammenkommen. 

Die Festung auf Rädern basiert auf dem mittelgroßen Baustellen-Laster der Baureihe TGM 18.330 des Münchner Lkw-Bauers MAN, der das Chassis samt Antrieb liefert. Der österreichische Spezialfahrzeugbauer Achleitner versieht den Lkw mit einer Sicherheitszelle aus Panzerstahl, gepanzertem Unterboden und Motor.

Blick in den Polizeipanzer: In diesem Fahrzeug sind die Beamten vor Angriffen gesichert.

Die Kasseler Militärtechnik-Profis von Rheinmetall steuern das Innen- und Außendesign des Survivors bei, der bis zu zehn Passagiere aufnehmen kann. An der Stahlpanzerung und den zehn Zentimeter dicken Panzerglasscheiben prallen Pistolenkugeln ab, Maschinengewehrsalven hinterlassen allenfalls ein paar hässliche Kratzer im Lack, und selbst Handgranaten können dem Survivor nach Herstellerangaben nichts anhaben. 

Der Survivor sei kaum einnehmbar und schwer zu stoppen, versprechen die Macher. Auf der Straße schafft der rollende Bunker 100 Kilometer in der Stunde und ist zudem voll geländetauglich. Auch Wassergräben und Bachläufe bis zu 1,20 Metern Tiefe sind kein Hindernis.

GdP fordert Panzer für Polizisten in Nordhessen

Die Gewerkschaft der Polizei schaut sich einen kleinen Polizeipanzer an, der in Kassel von Rheinmetall gebaut wird. Die GdP fordert, dass jedes Präsidium in Hessen solch ein gepanzertes Fahrzeug bekommt, fotokochFoto:Koch
 © Lothar Koch
Die Gewerkschaft der Polizei schaut sich einen kleinen Polizeipanzer an, der in Kassel von Rheinmetall gebaut wird. Die GdP fordert, dass jedes Präsidium in Hessen solch ein gepanzertes Fahrzeug bekommt, fotokochFoto:Koch
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"Survivor R" ist in Sachsen bereits im Einsatz

Wie solch ein Polizeipanzer funktioniert und was er alles kann, davon haben sich GdP-Funktionäre in dieser Woche bei Rheinmetall in Kassel ein Bild gemacht. Der Rüstungskonzern hat gemeinsam mit der VW-Tochter MAN und dem österreichischen Spezialunternehmen Achleitner den Polizei-Sonderwagen "Survivor R" ("Überlebender R") mit einem Leergewicht von elf Tonnen entwickelt. Bislang wurden Modelle des Panzerwagens nach Sachsen geliefert - und hatten dort wegen einer angeblich rechts konnotierten Frakturschrift für Diskussionen gesorgt. Zudem gebe es Bestellungen aus Berlin, sagt Klaas Krause, Vertriebsleiter bei Rheinmetall.

Er stellte den nordhessischen GdP-Vertretern den Panzer, in dem Platz für bis zu zehn Personen ist, jetzt auf dem Testgelände von Rheinmetall vor. Natürlich würde man sich freuen, wenn das Land Hessen für seine Präsidien den gepanzerten Sonderwagen bei Rheinmetall bestellen würde, sagt Krause.

Schließlich gibt es auch Konkurrenz. Denn mit einem ähnlichen Fahrzeug namens Dingo auf Basis des Unimogs des Daimler-Konzerns ist mit dem Kasseler Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) ein starker Wettbewerber am Start.

Eine Festungen auf Rädern

Die GdP will sich auf keinen Hersteller festlegen, sagt Rüppel. Schließlich müsse das Land eine Ausschreibung machen, wenn es dem Wunsch der Gewerkschaft nachkommt und für die sieben Präsidien solche Festungen auf Rädern aus Panzerstahl anschafft.

Wenn solch ein Fahrzeug auch um eine Million Euro koste, so sei dies eine gute Investition des Landes, sagt Rüppel. Im Vergleich zu anderen Ausgaben seien sieben Millionen Euro für diese gepanzerten Sonderwagen nicht viel Geld. Besonders mit Blick darauf, was es das Land koste, wenn ein Polizist im Einsatz getötet oder schwer verletzt würde.

Panzerfahrzeuge nur für Sondereinheiten

Derzeit stünden Sonderfahrzeuge nur den Sondereinheiten zur Verfügung, die nachts und am Wochenende nicht rund um die Uhr zu erreichen seien, sagt Rüppel. Bei lebensbedrohlichen Einsätzen seien die Beamten in Streifenwagen trotz Helm und Schutzweste aber nicht ausreichend gesichert. Nach Ansicht der GdP sollten deshalb in jedem Präsidium jeweils zehn Beamte als Fahrer und Kommandanten geschult werden, damit rund um die Uhr das Notfallinterventionsteam in dem Sonderfahrzeug zu gefährlichen Einsätzen gebracht werden könne. In erster Linie gehe es der GdP darum, dass die Kollegen in dem Fahrzeug geschützt würden, sagt Rüppel. Natürlich ist es aber auch möglich, aus Luken im Fahrzeug mit Polizeiwaffen zu schießen.

Der Vorteil des Polizeipanzers gegenüber vergleichbaren Fahrzeugen aus der Sprinterklasse sei, dass er viel geländetauglicher sei, sagt ein Einsatztrainer der Polizei. „Mit ihnen kann man auch über Stock und Stein fahren.“ Der „Survivor“ schafft Steigungen bis 60 Grad. Das erinnert dann an eine Fahrt in der Achterbahn.

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