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HNA-Test: Wohnzimmer vom Sperrmüll - Einrichten mit Weggeworfenem

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Fast schon gemütlich: Mit der Unterstützung des Stadtreiniger-Mitarbeiters Uwe Elsasser (rechts) hat sich HNA-Redakteur Bastian Ludwig auf dem Recyclinghof ein Wohnzimmer eingerichtet. Nach einer Stunde kamen diese Möbel zusammen.

Kassel. 9300 Tonnen Sperrmüll haben die Kasseler 2013 von den Stadtreinigern entsorgen lassen. Das entspricht dem Gewicht von 33 unbeladenen Airbus A380. Wir wollten wissen, ob der vermeintliche Müll noch so gut ist, um sich damit ein ganzes Wohnzimmer einzurichten.

Es ist wie einkaufen ohne Geld: Ich stehe auf dem Recyclinghof an der Königinhofstraße und da kommt schon die erste Lieferung frei Haus. Vier antike Massivholzstühle will ein Kasseler in die Sperrmüllpresse stecken. Dabei ist nur bei einem die Bespannung kaputt. Mein Einrichtungshelfer Uwe Elsasser von den Stadtreinigern geht dazwischen. Und so muss ich mir um die Bestuhlung meines Wohnzimmers keine Sorgen mehr machen.

Es dauert keine fünf Minuten und ich ergattere einen Teppich und eine Stehlampe, bevor sie im Schlund der Presse landen. Die Lampe ist völlig intakt, der gelbe Teppich hat nur ein paar Flecken.

Kurz nach dem Jahreswechsel machen viele klar Schiff zu Hause und misten Keller und Böden aus. Das spielt mir jetzt in die Hände. Auch wenn Elsasser sagt, dass die Hochsaison auf dem Recyclinghof erst Ende März beginne: „Dann rangieren die Leute aus.“

Als Bernhard Schroller mit seinem Kombi vorfährt, mache ich mir Hoffnungen. Er hat etwas Großes im Kofferraum. Vielleicht einen Schrank? Tatsächlich, aber er ist leider in seine Einzelteile zerlegt. „Wir hatten ein halbes Jahr lang versucht, ihn im Internet zu verkaufen“, erzählt Schroller. Nun sei er im Weg gewesen und müsse weg.

Mehr Glück habe ich bei Christina Zappardo. Sie will eine rustikale Leuchte mit Lederlampenschirm loswerden – nicht mehr in Mode, aber in passablem Zustand. Auch ihren Röhrenfernseher bietet sie mir mit den Worten an: „Wenn man kein Flachbild hat, gehört man ja nicht mehr dazu.“ Aber eine Glotze habe ich längst – samt Tischlein. Denn Fernseher werden massenhaft angeliefert.

„Es werden nicht nur voll funktionsfähige Röhrengeräte entsorgt, sondern inzwischen auch Flachbildfernseher ohne erkennbaren Defekt“, erzählt Elsasser. Elektrogeräte seien heutzutage so günstig, dass viele sie austauschten, obwohl sie noch funktionierten. Nach einer Stunde habe ich die Grundausstattung für mein Wohnzimmer zusammen. Nur das Bügeleisen für mein Bügelbrett fehlt.

Das Experiment ist beendet und das Mobiliar wandert in die Müllcontainer. Auch wenn es einem oft in der Seele wehtue, müsse dies sein, erklärt Birgit Knebel, Sprecherin der Stadtreiniger. Was an den Recyclinghöfen angeliefert werde, dürfe diese nicht mehr verlassen. „Es darf keiner etwas abgreifen, denn er könnte damit einen Handel betreiben“, sagt Knebel. Eine Ausnahme bilden Spielgeräte und Fahrräder. Die werden an Sozialprojekte abgegeben. Uwe Elsasser vom Recyclinghof hat über die Jahre beobachtet, dass die Qualität des Sperrmülls abnehme. Durch das Aufkommen der Internetbörsen sei es einfacher geworden, nicht mehr benötigtes Mobiliar zu verkaufen.

Von Bastian Ludwig

www.stadtreiniger.de

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