Testfahrt am Wochenende

Trams werden schwerer: KVG testet höhere Spannung für Straßenbahnen

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Jede Menge Technik bei der Testfahrt mit der Straßenbahn: Notfallmanager Detlef Schaumburg (von links), Projektleiter Christian Schuppe und Andreas Bassler von der Firma Siemens.   

Auf der Strecke zur Hessenschanze hat die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) am Wochenende Testfahrten mit einer höheren elektrischen Spannung gemacht. 

Vor 30 Jahren hat eine Straßenbahn noch um die 20 Tonnen Gewicht auf die Schiene gebracht. Klingt viel, ist es aber nicht. „Regiotrams, die ja auch in der Stadt unterwegs sind, wiegen 60 Tonnen, eine Straßenbahn mit Beiwagen über 40 Tonnen“, sagt Mike Heinemann. Der Elektroingenieur ist als Bereichsleiter für die Infrastruktur der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) zuständig. Da stehen in den nächsten Jahren erhebliche Veränderungen an, die auch nicht billig werden.

19 Millionen Euro wird die KVG mit Unterstützung des Landes Hessen für eine moderne Stromversorgung der Bahnen investieren. Bei einem Auto würde man sagen, dass die alte PS-Zahl nicht mehr ausreicht. Für die Straßenbahnen und Regiotrams soll die Spannung von derzeit 600 Volt auf 750 Volt umgestellt werden. Klingt nicht so schwierig, ist es aber.

Deshalb waren am Wochenende alle Beteiligten bei mehreren Testfahrten auch sehr gespannt. Darauf, ob die umgerüstete und schon etwas ältere Bahn auf der vom übrigen Netzt abgetrennten Strecke zur Hessenschanze in Kirchditmold auch fahren würde. Mit mehr Spannung, die die Bahn nicht schneller als sonst – das ginge auf der Strecke gar nicht –, sondern stärker machen soll.

Bei den neueren Modellen kann man die Spannung per Knopfdruck leicht umstellen. Die älteren Bahnen brauchen dafür ein Modul, das bei Siemens als Spezialanfertigung hergestellt wird. „Die Fachleute, die das für die alte Technik noch können, gehen demnächst in den Ruhestand“, sagt Mike Heinemann. Deshalb standen die Testfahrten jetzt schon auf dem Programm, obwohl die Umstellung des gesamten Streckennetzes von Kassel bis Baunatal, Helsa und Vellmar erst in neun Jahren vorgesehen ist.

Denn nicht nur die Bahnen müssen für die höhere Spannung vorbereitet werden. Die KVG betreibt 37 sogenannte Unterwerke, die an verschiedenen Punkten im Netz den dort angelieferten Strom in den für Schienenverkehr tauglichen Gleichstrom umwandeln. Die kann man nur in Etappen nachrüsten oder auch komplett neu bauen. Das dauert noch einige Jahre.

An der Strecke zur Hessenschanze steht ein bereits umgerüstetes Unterwerk. Damit dort die Testfahrten stattfinden konnten, musste die Strecke ab der Haltestelle Bebelplatz für den regulären Verkehr gesperrt werden. Als Ersatz für die Fahrgäste waren am Wochenende Busse im Einsatz.

Die gute Nachricht: Der Test mit der auf 750 Volt verstärkten Spannung lief nach Angaben der KVG ohne größere Probleme. Bis zur Umstellung hat man jetzt noch viel Zeit und die Gewissheit: Auch die alten Bahnen werden es schaffen. 

Dass ein Unterwerk zur Stromversorgung auch für reichlich Unmut sorgen kann, zeigte sich im Kasseler Vorderen Westen. 2014 gab es Ärger um ein Unterwerk am Bebelplatz

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