Junger Litauer des schweren Bandendiebstahls angeklagt

Kassel. Die Verteidigerin geht den Zeugen von der Polizei hart an: „Lediglich Mutmaßungen“ seien es, die hier vorgebracht würden – und als Grundlage für den Haftbefehl gegen ihren Mandanten dienten.

Man habe „in alle Richtungen ermittelt“, „irgendwas“ bekommen und dichte sich „was zusammen“, hält Rechtsanwältin Swetlana Rosenzweig dem Kasseler Beamten vor.

Ihr Mandant ist des schweren Bandendiebstahls angeklagt. Deshalb muss er sich seit Dienstag vor dem Kasseler Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 25-Jährigen vor, Teil einer litauischen Tätergruppe gewesen zu sein, die es auf Autos der Marke BMW abgesehen und gestohlene Wagen nach Osteuropa verschoben habe.

Der Kern der Vorwürfe betrifft den vergangenen Oktober. Damals, so die Anklage, sei der 25-Jährige innerhalb von neun Tagen an drei BMW- Diebstählen beteiligt gewesen: Erst in Gießen, einen Tag später am Kasseler Brasselsberg und schließlich in Meerbusch in Nordrhein-Westfalen. Der Gesamtwert der gestohlenen Fahrzeuge wird auf rund 123 000 Euro geschätzt. Der junge Litauer schweigt zum Prozessauftakt zu alledem.

Der Diebstahl in Kassel soll sich ereignet haben, obwohl die Polizei zeitweise zwei Männer observierte. Davon berichtet der Zeuge aus den Reihen der Ermittler: Bei einer Telefonüberwachung sei eine litauische Handynummer aufgefallen. Die sei dann in einer Funkzelle in Gießen aufgetaucht – zu der Zeit, als dort ein BMW geklaut wurde, wie sich später herausstellte.

Als die Nummer am Folgetag in Lohfelden geortet wurde, habe man die Lage gecheckt und schließlich einen verdächtigen Volvo observiert – unter anderem am Brasselsberg –, aber die Spur verloren. Später sei dieser Wagen in Göttingen kontrolliert worden. Alleiniger Fahrer sei der Angeklagte gewesen. Man habe „nichts Relevantes“ entdeckt.

Auch der Besitzer des Kasseler BMW wird am Dienstag als Zeuge gehört. Ihm hatte die Polizei nicht lange nach dem Diebstahl gemeldet, sein Auto sei in Litauen sichergestellt worden. Doch erst im Januar bekam er den Wagen tatsächlich wieder. Völlig verkratzt und mit jeder Menge durchtrennter Kabel.

Von Ärger mit Kabeln soll auch in Telefon-Kurznachrichten die Rede sein, die die Polizei nach einem Eilbeschluss zur umfangreicheren Telefonüberwachung abgefangen hatte. Warum die Polizei in Göttingen nicht geprüft habe, ob ihr Mandant tatsächlich das überwachte Handy bei sich hatte, will die Verteidigerin wissen. Antwort des Polizisten-Zeugen: Weil man sich dann alle weitere Überwachung hätte sparen können: „Weil genau diese Nummer nach Göttingen aus dem Fenster fliegt.“

Zwei weitere Verhandlungstage sind angesetzt.

Von Katja Schmidt

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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