CDU: Kasseler Stadtreiniger verschleudern Geld für kostspielige Selbstdarstellung

CDU: Kasseler Stadtreiniger verschleudern Geld für kostspielige Selbstdarstellung

Kassel. Das Buch ist fest gebunden und aufwendig gedruckt. So etwas hat seinen Preis: annähernd 40 Euro pro Exemplar. Bezahlt haben die teure Mini-Auflage von 330 Exemplaren die Kasseler Bürger mit ihren Müllgebühren - über 13 000 Euro für ein Buch, dessen Inhalt wohl nur wenige Fachleute interessiert. Deshalb wurde der abschließende Bericht zu dem Modellversuch mit nassen und trockenen Mülltonnen in der Kasseler Südstadt auch in so geringer Auflage gedruckt.

Bürgermeister verteidigt sich

Das Projekt der Stadtreiniger sei einmalig in Deutschland, erklärte Bürgermeister und Abfalldezernent Jürgen Kaiser (SPD) während der jüngsten Stadtverordnetenversammlung. Dort verlangte der CDU-Stadtverordnete Stefan Kortmann Auskunft darüber, was das von den Stadtreinigern im Mai herausgegebene Werk gekostet hat.

In der Fragestunde bekräftigte der Bürgermeister, dass wegen der Bedeutung des Projekts, bei dem es um die Abschaffung der gelben Säcke und die bessere Nutzung von Wertstoffen im Abfall ging, der Informationsbedarf besonders hoch sei. Hätte man die 330 Exemplare der Bücher zu dem Thema nicht in vier Farben auf Hochglanz drucken lassen, wäre es in der Tat billiger geworden als die ausgegebenen 13 075 Euro, räumte Kaiser ein. Die hohe Qualität der Bücher sei aber angemessen, „vor allem im Interesse derer, die das Projekt vorangetrieben haben“.

Für die CDU-Rathausfraktion ist nach den Aussagen des Bürgermeisters klar: „Die Stadt verschleudert Gebührengeld“, sagt Stefan Kortmann. Der Stadtverordnete will den „verschwenderischen Umgang“ mit den Müllgebühren der Bürger nicht auf sich beruhen lassen.

Die 13 000 Euro hätte man zu großen Teilen einsparen können, wenn man statt der aufwendigen Art und Weise der Publikation eine deutlich günstigere Variante gewählt hätte, ist Kortmann überzeugt. Es sei den Kasseler Einwohnern nicht zuzumuten, dass eine Senkung der Müllgebühren vom Bürgermeister kategorisch abgelehnt werde, „während für die Selbstdarstellung eines städtischen Eigenbetriebes so viel Geld verschleudert wird“, kritisiert Kortmann.

Kritik an Sponsoring

Er will den Fall in der Betriebskommission der Stadtreiniger und in der Stadtverordnetenversammlung weiterverfolgen und Überprüfungen veranlassen. Dabei geht es laut Kortmann auch um finanzielles Sponsoring der Stadtreiniger für Sportvereine und Großveranstaltungen. Auch dafür dürfe kein Gebührengeld ausgegeben werden, ist Kortmann überzeugt. Foto: Koch

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Von Jörg Steinbach und Stefanie Dietzel

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