Amtsgericht

Teurer Streit um Parkplatz: Architekt zu 3000 Euro Geldstrafe verurteilt

Kassel. Als Architekt kennt sich der Angeklagte mit Plänen aus. Maßstabsgetreu und exakt hatte er den Tatort aufgezeichnet, sogar Fotos lieferte er dem Amtsgericht.

Was dem 44-Jährigen am Ende eine Geldstrafe von 3000 Euro wegen vorsätzlicher Körperverletzung eintragen sollte, ließ allerdings weniger an die ruhige Hand eines Architekten denken: Auf einem Supermarktparkplatz in Helleböhn hatte der Mann einen 62-Jährigen brutal niedergeschlagen. Nur weil der ihn zugeparkt hatte.

Ging nach hinten los

Einen Strafbefehl über 75 Tagessätze hatte der Angeklagte danach nicht akzeptieren wollen und Widerspruch eingelegt. Doch das ging für ihn nach hinten los: Nach sechsstündiger Verhandlung stand für das Amtsgericht nicht nur die Schuld des 44-Jährigen fest, es strafte seine hartnäckigen Unschuldsbeteuerungen auch mit einer Verdopplung der Geldstrafe ab: 150 Tagessätze à 20 Euro muss der Mann nun zahlen. Und seiner Ehefrau droht überdies ein Verfahren wegen Falschaussage.

Die 41-Jährige hatte als einzige Zeugin bestätigt, was der Angeklagte behauptet hatte: dass nicht er, sondern das spätere Opfer zuerst zugeschlagen habe. „Mindestens zwei- oder dreimal“, sagte die Frau. „Ich stand davor und hab’ das gesehen. Ganz sicher.“ Die Schläge, mit denen ihr Gatte dem 62-Jährigen den Augenboden brach und das Ohr einriss, seien nur die Reaktion auf die überraschende Attacke des anderen gewesen. „Ich habe mich auch gewundert, warum er angefangen hat, mich zu schlagen“, hatte zuvor der Angeklagte erklärt.

Eigentlich, beteuerten die Eheleute unisono, hätten sie nur eine Entschuldigung hören wollen. Dafür, dass der 62-Jährige mit seinem Audi ihre Parklücke blockiert und sie am Wegfahren gehindert hatte. Und dass er auf ihre lautstarke Suche im Supermarkt nach dem Fahrer nicht reagiert hatte, weil er da gerade telefonierte und sich nicht angesprochen fühlte.

Aufmerksam geworden war der 62-Jährige erst, als der Angeklagte den Audi wegschob. Daraufhin war er aus dem Laden gestürzt. Und erschrocken. „Es war ein unglaubliches Gebrüll draußen“, erzählte er. „Ich dachte, dass irgendetwas Gravierendes passiert sein müsste – nicht nur, dass ein Auto im Weg stand.“ Doch bevor er irgendetwas habe tun können, sei er von dem 44-Jährigen zu Boden geschlagen worden. Die Folgen: eine Woche Krankenhausaufenthalt, eine kaputte Brille, ein geplatzter Urlaub.

„Schmarrn“

Selbst zugelangt, sagte der Mann, habe er auf gar keinen Fall: „In Bayern würden sie sagen: Schmarrn.“ Das sahen am Ende auch Gericht und Staatsanwaltschaft so: kein Hinweis auf Notwehr, nirgends. Auf den Angeklagten dürfte damit noch weiteres Ungemach zukommen: Sein Opfer hat ihn auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagt – insgesamt verlangt er rund 4000 Euro.

Von Joachim F. Tornau

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