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Texmex-Kette Paco’s Tacos ist insolvent - Lokal am Kasseler Weinberg nicht betroffen

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Von: Axel Schwarz

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Vier Standorte gibt es noch außerhalb Kassels: Im Bild das „Paco’s Tacos“ in Mannheim; weitere Lokale stehen in Jena, Hannover und Bochum.
Vier Standorte gibt es noch außerhalb Kassels: Im Bild das „Paco’s Tacos“ in Mannheim; weitere Lokale stehen in Jena, Hannover und Bochum. © Privat

Das Kasseler Franchise-Unternehmen Paco’s Tacos GmbH hat seine Zahlungsunfähigkeit erklärt. Zum Geschäftsgebaren der Verantwortlichen kommen neue Vorwürfe aus dem Umfeld der Firma.

Kassel – Die Kasseler Texmex-Franchisekette Paco’s Tacos ist zahlungsunfähig und steht seit Ende November unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. Dies betrifft die Paco’s Tacos GmbH als Mutterfirma von aktuell noch vier bundesweiten Standorten des Restaurantkonzepts. Nicht betroffen ist das eigenständige Lokal gleichen Namens am Kasseler Weinberg.

Laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Mario Nawroth ist der Insolvenzantrag aus der Firmenleitung selbst gekommen. Zuvor hatte ein Teil der Franchisenehmer massive Vorwürfe gegen die geschäftlich Verantwortlichen erhoben: Es finde praktisch keine Betreuung durch den Franchisegeber statt; man zahle für Leistungen, die nicht erbracht würden.

Angestellte und nennenswertes Betriebsinventar hat die Paco’s Tacos GmbH nicht mehr. Eine 2021 bezogene schicke Franchise-Zentrale im Hallenbad Ost wurde wieder aufgegeben. Wie es nun weitergeht mit der angeschlagenen Firma, ist laut Insolvenzverwalter Nawroth „noch nicht raus“. Sein Augenmerk liege darauf, „eine Lösung für die Franchisenehmer zu finden“, von denen zumindest ein Teil gern unter der gemieteten Marke weitermachen wolle. „Das Konzept als solches ist ja gar nicht schlecht“, sagte der Jurist.

An der geschäftlichen Praxis aber haperte es offenbar. Nach HNA-Berichten zur Lage des Unternehmens hatten sich bei der Redaktion verschiedene Menschen aus dem Umfeld der Texmex-Kette gemeldet und teils harsche Kritik am Geschäftsgebaren der Verantwortlichen geäußert. Eine Schreiberin bricht eine Lanze für die gut 50 Mitarbeiter, die das Unternehmen in guten Tagen hatte: „Viele von ihnen landeten in der Arbeitslosigkeit oder sind durch die rückständigen Gehälter in die Verschuldung geraten.“

Ein früherer Mitarbeiter des ehemaligen Paco‘s Tacos in der Nordstadt sieht sich neben Lohnausfällen nach eigenen Angaben um 12 000 Euro geprellt. Der internationale Masterstudent an der Uni Kassel wollte sich 2020 mit der Eröffnung einer Paco‘s-Tacos-Filiale in Frankfurt eine Perspektive aufbauen, wie er schreibt. Man habe ihm in Aussicht gestellt, so der 30-Jährige, einen sechsstelligen Gründungskredit über die Hausbank der Texmex-Kette zu vermitteln.

Die 12 000 Euro Franchise-Einstiegsgebühr aber habe einer der beiden Geschäftsführer sofort haben wollen – mit dem Versprechen, es gebe dieses Geld zurück, falls der Gründungskredit nicht bewilligt werde. Dies könne er durch Chat-Protokolle und andere Nachweise belegen, so der Student. Tatsächlich sei der Kreditantrag abgelehnt worden; wohl auch, weil der Antragsteller nicht die deutsche Staatsbürgerschaft hat.

Im Folgenden habe der Unternehmensgründer sich dann aber nicht mehr sprechen lassen und auf seinen Mitgeschäftsführer verwiesen.

Der wiederum habe von den Absprachen allerdings nichts wissen wollen und eine Rückzahlung verweigert.

Er habe weder das Geld noch die Sprachkenntnis noch Einblicke in deutsche Rechtsgepflogenheiten, um sich juristisch zu wehren, schildert der 30-Jährige, der auf Englisch kommuniziert.

Auf den Fall angesprochen, sagte Rechtsanwalt Nawroth, eine Forderung dieser Art könne seiner Einschätzung nach ganz regulär zu dem Insolvenzverfahren angemeldet werden. Wohl im Januar werde das Hauptverfahren eröffnet.

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