The Voice of Germany in Kassel: Im Fernsehen top, auf der Konzertbühne Flop

+
Hallo Kassel: Die Gesangstalente von „The Voice of Germany“ (von links) Stas Shurins, Marc Amacher, Tay Schmedtmann, Lucie Fischer, Boris Alexander Stein, Robin Resch traten in der Kasseler Stadthalle auf und begrüßten ihre Fans.

Kassel. Fast war es wie im Fernsehen: Die Moderatoren der Sat1-Talentshow „The Voice of Germany" werden auf einem Bildschirm gezeigt und kündigen die Finalisten der Sendung an.

Die werden gleich in der Kasseler Stadthalle auf der Bühne stehen. Trotz Nähe zu den Talenten begeistert die Sendung mehr als das Konzert. Fünf Gründe:

1. Die Stimmung

Es sind viele Eltern mit Kindern da und einige Paare. Die Halle ist gut gefüllt, aber komplett bestuhlt. Das sorgt dafür, dass die Zuschauer meist sitzen bleiben und höchstens mit wohlerzogener nordhessischer Begeisterung mitklatschen. Konzertstimmung kommt nicht so richtig auf.

2. Bühne und Sound

Ein Sofa und ein Sessel stehen auf der Bühne. Senkrecht aufgebaute Europaletten, an denen Neonröhren befestigt sind, bilden den Hintergrund. Eine Kulisse zwischen Clubatmosphäre, Wohnzimmer und Loft. Das wirkt lässig, gemütlich und perfekt-durchgestylt. Allerdings klingt der Sound in der Stadthalle anfangs fast scheppernd und zu hallig - der Gesang ist kaum zu verstehen.

3. Die Talente

Sie bekommen von Beginn an viel Applaus - allen voran der Gewinner Tay Schmedtmann. Gemeinsam mit ihm auf der Bühne: der smarte Robin Resch, der sensible, tätowierte Boris Alexander Stein und der rockige Marc Amacher mit seiner kratzigen Stimme. Fast eine Boyband. Wären da nicht die vom Publikum gewählten „Wildcard-Gewinner“, zu denen neben dem charmanten Stas Schurins mit Lucie Fischer eine Frau gehört. Ihre frische Art tut gut. Während man vor dem heimischen Fernseher den einen oder anderen schiefen Ton verzeiht (es sind schließlich Gesangstalente), ist die Erwartungshaltung beim Konzert eine andere - der Eintritt kostet bis zu 60 Euro. Gewinner-Coach Andreas Bourani würde es wohl so ausdrücken: Die Talente müssen abliefern. Das gelingt ihnen nicht immer. Die Coversongs von Oasis und Prince sind gleich einige Nummern zu groß.

4. Die Auftritte

Die Sänger machen Helene Fischer Konkurrenz - zumindest in Sachen Kleiderwechsel. Zu jedem Song tragen sie etwas anderes und sind farblich aufeinander abgestimmt. Sie singen Solo und gemeinsam. Jeder kann sich präsentieren. Am Besten gelingt das dem Gewinner, er hat das größte Stimmvolumen. Und ja, es gibt sie, die schönen Momente. Die Akustikphase mit Stas’ Version von „Crazy“ (im Original von Gnarls Barkley), Boris Alexander mit viel Gefühl in „Für immer“ von Philipp Poisel und Tays „Starke Schulter“ von Julian le Play sind solche Höhepunkte. Dennoch: Wahnsinnig mitreißend ist das über zwei Konzertstunden nicht. Was auch am Ausdruck liegt: Tay und Boris blicken lange Zeit so in die Menge, als litten sie unter einem Magen-Darm-Virus. Freude am Musikmachen sieht anders aus. Vielleicht war der Druck zu groß, man wird beim Aussieben einer Castingshow eben nicht automatisch zum Bühnenprofi. Da hilft es auch nicht, dass Marc bei seiner „TNT“-Interpretation von AC/DC auf dem Rücken liegend über den Boden rutscht. Das wirkt wenig authentisch, den harten Burschen nimmt man ihm nicht ab.

5. Die Band

Ein positiver Aspekt, der aber eine Schwäche offenlegt: Die Stars auf der Bühne sind die Gesangstalente, doch die musikalisch herausragenden Akzente setzt die in allen Stilrichtungen beheimatete Band Fresh Music Live. Sie sind die Profis und halten bei jedem Song schützend ihre musikalische Hand über die Talente - damit retten sie das Konzert.

Finalisten von "The Voice of Germany" singen in der Stadthalle

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.