Kostendeckung liegt bei elf Prozent – Intendant Bockelmann: Kaum Einsparungen mehr möglich

Der Theaterbesuch wird teurer

Kassel. Der Eintritt ins Staatstheater wird mit der kommenden Spielzeit teurer. Es sei eine Erhöhung der Preise um fünf Prozent vorgesehen, kündigte Intendant Thomas Bockelmann im Gespräch mit der HNA an.

Niedrige Preisgruppen würden aber weniger angehoben, um Menschen mit geringem Einkommen den Theaterbesuch weiterhin zu ermöglichen.

Das Kasseler Staatstheater hat in den vergangenen zehn Jahren einen Kostendeckungsgrad von durchschnittlich zehn Prozent gehabt. Anfang der 90er-Jahre bewegten sich die Werte noch zwischen sechs und acht Prozent. Im vergangenen Jahr wurden 11,2 Prozent der Kosten durch eigene Einnahmen gedeckt. „Das hört sich immer erbärmlich wenig an“, sagt Bockelmann. Doch gebe es wenig Spielraum nach oben.

Die Schraube anziehen könne man lediglich, indem man die Preise anhebe oder versuche, die Besucherzahlen zu erhöhen. Derzeit liege die Auslastung des Drei-Sparten-Theaters bei 71 Prozent, berichtet der Intendant. „Man könnte sagen, wir gehen noch mehr mit dem Speck nach den Mäusen und machen nur noch Musical oder Zauberflöte.“ Doch Anspruch eines Staatstheaters müsse auch sein, zeitgenössische und experimentelle Stücke zu inszenieren.

Während in den zurückliegenden 20 Jahren die Zahl der Besucher ihren höchsten Wert 1996 unter der Intendanz von Michael Leinert erreichte (279 500), sind unter Thomas Bockelmanns künstlerischer Leitung die Abo-Zahlen auf Spitzenwerte geklettert und haben kürzlich die 10 000er-Marke geknackt. „Abos bedeuten zwar einen vergünstigten Eintritt, aber sie schaffen Planungssicherheit und eine starke Bindung der Besucher an das Theater“, sagt Bockelmann.

Das Staatstheater, das vergangenes Jahr einen Etat von 32 Mio. Euro hatte und selbst 3,6 Mio Euro erwirtschaftet hat, wird von Stadt und Land bezuschusst. Das Land übernimmt dabei 52 Prozent, die Stadt 48 Prozent. Für das laufende Jahr soll der Zuschuss bei 16,5 Mio. für das Land und 14,4 Mio. für die Stadt liegen.

Hohe Effizienz

Eine Untersuchung im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst aus dem Jahr 2010 hatte ergeben, dass die hessischen Staatstheater ihre Zuschüsse außergewöhnlich effizient einsetzen. Der Zuschuss pro Besucher sei im Vergleich zu Bühnen gleicher Größenordnung unterdurchschnittlich.

Dr. Frank Depenheuer, geschäftsführender Direktor des Staatstheaters, betont zudem, dass die Summen zwar stiegen, der Zuschuss real aber sinke. Berücksichtige man die Preissteigerungen und Tariferhöhungen, komme man von 1995 bis 2011 auf eine durchschnittliche Unterfinanzierung von 1,6. Mio Euro pro Jahr.

Von Katja Rudolph

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