24-jährige drogenabhängige Mutter kann Entziehungskur fortführen

Urteil des Landgerichts Kassel: Therapie nach Tankstellenüberfall

Kassel. Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung verurteilte das Landgericht Kassel eine 24-Jährige, die vor eineinhalb Jahren eine Tankstelle an der Frankfurter Straße in Kassel überfiel und 450 Euro erbeutete.

Mit seinem Urteil wegen schwerer räuberischer Erpressung folgte Richter Stanoschek den Forderungen des Staatsanwalts und des Verteidigers, die mit Blick auf eine krankhaft seelische Störung der Angeklagten durch den Konsum mehrerer Drogen (Polytoxikomanie) auf eine Freiheitsstrafe plädierten, die sich am unteren Rand des Strafrahmens bewegt. Das Gericht stimmte dabei einer Zurückstellung der Vollstreckung der Freiheitsstrafe nach Paragraf 35 des Betäubungsmittelgesetzes zu, sodass die Angeklagte mit ihrem Kind die Entziehung in einer Drogenfachklinik fortfahren kann.

Beschaffungskriminalität

Einen geradezu „klassischen Fall von Beschaffungskriminalität“ diagnostizierte die Sachverständige bei der jungen Frau, die Methadon bekommt, aber zusätzlich Drogenmissbrauch betreibt. So verhielt es sich nach Einschätzung der Gutachterin auch an jenem 6. Oktober 2013.

Am Morgen holte sich die 24-Jährige ihr Methadon, abends schob sie Kokain und Tabletten hinterher. „Ich war so breit an dem Tag“, sagte die Angeklagte. Sie sei psychisch fertig gewesen, „ich wollte immer mehr“. Sie brauchte Geld für Drogen.

Mit einer Schreckschusspistole bedrohte sie gegen 23.15 Uhr den Tankstellenmitarbeiter und forderte „Geld her“. Dass die Pistole ihres Ex-Freundes geladen und entsichert war, davon wollte sie nichts gewusst haben. Dass der Tankstellenmitarbeiter die Stammkundin trotz der Maskierung mit einem Schal und einem hochgezogenen Pullover erkannte, gab er nicht zu erkennen. Mit seiner Täterbeschreibung wurde die 24-jährige Frau kurz darauf festgenommen.

Seit ihrem achten Lebensjahr konsumierte sie regelmäßig Cannabis, seit ihrem 13. Heroin und Kokain, berichtete die Angeklagte, die im Laufe ihrer schweren Kindheit in einem Heim für misshandelte und sexuell missbrauchte Kinder landete. „Da kommt man ziemlich schnell an das Zeug ran.“

Stationäre Entziehungskur

Nach sechs Entgiftungen macht die mehrfach Vorbestrafte, die vor einem halben Jahr einen Sohn bekam, seit Kurzem erstmals eine stationäre Entziehungskur. Durch die Geburt ihres Kindes sei sie motiviert, ihre Sucht ernsthaft anzugehen, sagte ihre Bewährungshelferin. (zal)

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