Thilo Sarrazin: "Griechenland ist das Bremen Europas"

Kassel. War die Einführung des Euro ein Fehler? Wo steuert Europa hin? Ist Griechenland noch zu retten? Diese Fragen waren Thema einer HNA-Podiumsdiskussion mit Thilo Sarrazin am Donnerstagabend. Darin äußerte der ehemalige Berliner Finanzsenator scharfe Kritik an der Politik der Bundesregierung.

Griechenland könne zum Sündenfall werden, äußerte Sarrazin in der Stadthalle seine Befürchtung. Mittlerweile habe das Land ein Vielfaches dessen an finanzieller Unterstützung bekommen, was Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg von den USA in Form der Marshall-Hilfen erhalten habe. Leider habe die Unterstützung für Griechenland kaum positive Auswirkungen gezeigt, sämtliche Kennzahlen des Landes seien negativ. "Jeder Euro, der für Griechenland bezahlt wurde, wird verschwunden sein", sagte er. Das Land werde seine Schulden nicht bezahlen können. Ein weiteres Problem: Andere Staaten könnten sich außerdem ermutigt fühlen, die Haushalts-Disziplin nicht allzu ernst zu nehmen.

Thilo Sarrazin zu Besuch in Kassel: Der ehemalige Berliner Finanzsenator war Gast bei einer HNA-Podiumsdiskussion. Er sprach mit HNA-Ressortchef Politik, Tibor Pézsa.

Konkret nahm Sarrazin bei seiner Lesung Bezug auf das Bundesland Bremen, das ebenfalls hochverschuldet und nur wegen hoher Transferzahlungen überlebensfähig ist. Griechenland sei nun das Bremen Europas - ein Land, das man mit viel Geld unterstütze, was wegen seiner geringen Größe noch machbar sei. Gefährlich werde es aber, wenn weitere europäische Länder unfreiwillig Teil dieses Clubs würden.  

Vor etwa 150 geladenen Zuhörern und im Gespräch mit HNA-Politikchef Tibor Pézsa ging Sarrazin auch darauf ein, was die Bürger in der Krise tun könnten, um ihr Geld zu schützen. So empfahl er den Anwesenden, Immobilien nicht als universell tauglichen Ausweg aus der seiner Ansicht nach drohenden Inflation zu betrachten. "Wenn Sie Immobilien kaufen, dann nur in den großen boomenden deutschen Städten wie München oder Berlin", sagte er. Immerhin: Er rechne damit, dass es den Euro auch in sechs der sieben Jahren noch gibt. Dafür müssten der deutsche Steuerzahler allerdings einen hohen Preis zahlen. (rpp)

Rubriklistenbild: © HNA/Fischer

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