Thomas Fredrich übernimmt Reisebusunternehmen von Emmi Poguntke

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Emmi Poguntke

Kassel. Vor fünf Jahren, anlässlich ihres 70. Geburtstags, hatte Emmi Poguntke im HNA-Gespräch erklärt: „Ich mache so lange weiter, bis ich die Firma in gute Hände abgeben kann.“ Das ist jetzt der Fall.

Rechtzeitig zum 75. der agilen und nimmermüden Frau hat mit Beginn des Jahres Thomas Fredrich (Kassel-Stadtrundfahrten) das Reisebusunternehmen Poguntke mit seinen vier Mitarbeitern übernommen.

Wer nun aber davon ausgeht, dass sich Emmi Poguntke damit in den Ruhestand verabschiedet, der irrt sich gewaltig. „Ich trete sozusagen in die zweite Reihe“, sagt die Harleshäuserin, die seit Jahrzehnten eine Institution in Sachen Mobilität in Kassel ist. Selbstverständlich werde sie als Reiseleiterin im Betrieb weitermachen.

Das sei doch so praktisch, weil sie als Inhaberin des entsprechenden Führerscheins den Busfahrer ablösen könne. „Das bin ich meinen Kunden schuldig“, sagt sie. Zurzeit beschäftige sie sich damit, 40 Jahre Firmengeschichte zu sichten.

Emmi Poguntke, die trotz ihres Temperaments nie den Überblick verliert, liebt die Bewegung. Nach Weihnachten hatte Sohn Bodo Poguntke, der vor Jahren bereits die Fahrschule übernommen hatte, den Poguntke-Clan zu einem besonderen Event eingeladen. „Zieh dich bequem an und nimm einen Sturzhelm mit“, hatte er der Mutter geraten. Dann ging’s mit 14 Familienmitgliedern auf die Gokart-Bahn. „Das war super“, schwärmt die Großmutter von fünf Enkelkindern.

Als besonnene Berufskraftfahrerin habe sie aber schlecht abgeschnitten: „Um im Gokart vorn mitzufahren, muss man, ohne auf rechts und links zu achten, draufhalten.“ Und das ist nicht ihre Art. Poguntke hatte sich vor Jahrzehnten in einer Domäne durchgesetzt, die von Männern dominiert wird: Busunternehmen, Fahrschulen, Touristik und Kraftfahrzeuge aller Art. Ihre Devise lautete: „Als weiblicher Chef nie hemdsärmelig oder ruppig auftreten.“

Dabei stand der Beginn ihrer unternehmerischen Karriere unter einem traurigen Stern. Ihrem Mann zuliebe hatte die musisch veranlagte Emmi früh von ihrem Beruf als Musterzeichnerin in der Textilbranche ins technische Kfz-Gewerbe gewechselt. Poguntkes machten sich mit einer Fahrschule selbstständig. Schließlich habe sich ihr Mann den Traum vom eigenen Bus verwirklicht; das Reiseunternehmen war geboren.

Dann starb Emmis Mann im Alter von 40 Jahren an einem Tumor. „Da stand ich plötzlich allein mit drei kleinen Kindern und dem Betrieb.“ Sie gab nicht auf. Einfach war es nicht, erinnert sie sich. Skeptischen Männern begegnete sie stets, ob sie mit 18 den Motorradführerschein machte (auf einer DKW, die man antreten musste) oder - noch keine 30 - ihren ersten Reisebus lenkte.

„Stellen Sie sich vor, welche Reaktionen ich in Italien ausgelöst habe, als Blondine hinterm Steuer eines Busses.“ In ihrem Leben hat sie viele Kurven souverän genommen. Heute feiert Emmi Poguntke im Kreise ihrer Familie, den drei Kindern und Enkelkindern mit Partnern, ihren 75. Geburtstag.

Von Christina Hein

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