Mehrere Fälle zuletzt in Kassel

Tier verschwunden, Tier gefunden: Wir beantworten die wichtigsten Fragen

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Seit Silvester vermisst: Hündin Diva ist in Kassel entlaufen.

Kassel. Wenn Tiere verschwinden, ist das für die Besitzer oftmals sehr emotional. In Kassel gab es zuletzt mehrere Fälle.

Zuletzt berichteten wir etwa über das Ehepaar, dessen Hündin Betty abhanden gekommen war – womöglich wurde sie mitgenommen von Fremden. Auch der Fall der Labrador-Hündin Diva sorgt für Aufsehen. Die Hündin entlief kurz vor Silvester in Kassel. Ihre Besitzer aus Bad Zwesten haben auch nach mehreren Monaten die Hoffnung nicht aufgegeben.

Wir haben nun mit der Kasseler Rechtsanwältin Claudia Bärtschi, die sich schwerpunktmäßig unter anderem mit Tierrecht beschäftigt, darüber gesprochen, wie die rechtliche Lage in solchen Fällen ist.

Frau Bärtschi, wie werden Tiere rein rechtlich behandelt?

Claudia Bärtschi, Rechtanwätin aus Kassel mit Schwerpunkt Tierrecht

Claudia Bärtschi:Ein Tier wird rechtlich wie eine Sache behandelt. Dies bedeutet, dass Tiere einem rechtlichen Eigentümer zugeordnet werden, welcher über das Tier verfügen darf. Tiere können gestohlen oder unterschlagen werden. Diebstahl und Unterschlagung sind zwei verwandte Eigentumsdelikte.

Was ist der Unterschied?

Bärtschi: Diebstahl liegt vor, wenn eine Sache aus dem Einflussbereich des Besitzers weggenommen wird, in der Absicht, die Sache zu behalten. Wird eine Sache nicht weggenommen, sondern zum Beispiel gefunden, kommt Diebstahl nicht in Frage, jedoch Unterschlagung.

Wie muss sich der Finder eines Tieres verhalten?

Bärtschi: Ein Finder ist verpflichtet, einen Fund unverzüglich, also innerhalb von wenigen Tagen, beim Fundbüro anzuzeigen. Wenn er das Tier abgeben möchte, ist das Tierheim zuständig. Das Fundbüro Kassel nimmt keine Tiere entgegen, vielmehr sind sie im Tierheim Mau-Wau-Insel abzugeben.

Das Tierheim übernimmt dann die Fundanzeige. Die Polizei greift nur ein, wenn der Verdacht einer Straftat vorliegt.

Wer zahlt denn die Tierarztkosten, wenn das Fundtier verletzt ist?

Bärtschi:Ist das Tier verletzt, sollte man vor dem Gang zum Tierarzt das Fundbüro kontaktieren und die Kostenfrage klären. Anderenfalls besteht das Risiko, dass der Finder auf den Kosten der tierärztlichen Behandlung sitzen bleibt. Er ist Auftraggeber der Behandlung und kann vom Tierarzt in Anspruch genommen werden. Wird der Eigentümer gefunden, hat dieser die Kosten der Behandlung dem Finder zwar zu erstatten, allerdings besteht das Risiko, dass er nicht zahlungsfähig ist.

Was passiert, wenn der Finder keine Fundmeldung macht?

Bärtschi: Wenn eine Fundmeldung unterbleibt und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurde, wird sie prüfen, ob der Finder die Sache oder das Tier behalten wollte oder nur die Fundanzeige vertrödelt hat.

Wann liegt eine Unterschlagung vor?

Bärtschi: Der Jurist spricht von Zueignungsabsicht. Nur wenn eine Zueignungsabsicht vorliegt, ist der Straftatbestand der Unterschlagung erfüllt. Dies ist anhand des Einzelfalls zu prüfen. Zum Beispiel wenn der Finder eine Leine und ein Hundekörbchen kauft, eine Haftpflichtversicherung abschließt und Freunden den „neuen“ Hund vorstellt, dürfte dies zu bejahen sein.

Auch wenn man einen verletzten Hund zum Tierarzt bringt und die Kosten der Behandlung übernimmt, könnte dies als Zueignungsabsicht verstanden werden.

Kann man als Finder auch Eigentümer eines Tieres werden?

Bärtschi: Der Finder kann auch ganz legal neuer Eigentümer werden. Wenn er den Fund korrekt angezeigt hat, und sich nach sechs Monaten niemand gemeldet hat, erwirbt der Finder das Eigentum an der Sache. Voraussetzung dazu ist eine Fundanzeige. Eine Meldung an das Tierregister Tasso reicht nicht, um einen Fund anzuzeigen.

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